Berlin - Die meisten radikalen Islamisten aus Deutschland, die sich dschihadistischen Gruppen in Syrien angeschlossen haben, verfügen nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz nur über einen geringen Bildungsgrad.

Einer bislang unveröffentlichten Analyse zufolge, die der "Berliner Morgenpost" vorliegt, hat nur jeder vierte der Betreffenden einen Schulabschluss. Eine Ausbildung brachten sechs Prozent zu Ende, ein Studium zwei Prozent. Für die Analyse wertete das Bundesamt laut Zeitung Daten der Länderpolizeien und Verfassungsschutzbehörden über 378 Islamisten aus, die Deutschland seit Mitte 2012 Richtung Syrien verließen.

Demnach waren 89 Prozent Männer. Die Jüngsten waren bei der Ausreise 15, der Älteste 64 Jahre alt. Jeder Dritte der Islamisten stammt aus der Gruppe der 21- bis 25-Jährigen. 20 Prozent waren arbeitslos gemeldet. Einer Beschäftigung gingen nur zwölf Prozent nach, die meisten mit einem Job im Niedriglohnsektor.

In Deutschland wurden rund 60 Prozent geboren, als Geburtsländer folgen Syrien (8 Prozent) und die Türkei (6 Prozent). Einen deutschen Pass haben 233 der erfassten Ausgereisten, 92 dieser Gruppe besitzen mindestens eine weitere Staatsangehörigkeit, etwa die marokkanische, türkische oder syrische. 240 Islamisten wurden laut Analyse als Muslime geboren. Von 54 Personen ist bekannt, dass sie - meist deutschstämmige - Konvertiten sind.

Wie die Studie des Verfassungsschutzes weiter zeigt, begann ihre Radikalisierung fast ausnahmslos in der Salafistenszene. 117 der Ausgereisten begingen bereits Straftaten, bevor sie sich radikalisierten. Meist handelte es sich um Gewalt-, aber auch Eigentums- oder Drogendelikte.

40 Islamisten aus Deutschland kamen den Angaben zufolge in Syrien ums Leben. Etwa ein Drittel der Ausgereisten kehrte inzwischen zumindest zeitweise nach Deutschland zurück.