Erfurt/Potsdam (dpa) | Bei den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg hat sich am Sonntagnachmittag eine niedrige Wahlbeteiligung abgezeichnet. Bei trübem Wetter gingen in beiden Ländern bis zum Nachmittag weniger Bürger zur Abstimmung als vor fünf Jahren.

In Thüringen hatte bis 14 Uhr nahezu jeder dritte Wahlberechtigte (30 Prozent) Uhr gewählt, wie Landeswahlleiter Günter Krombholz in Erfurt mitteilte. 2009 betrug die Wahlbeteiligung zum gleichen Zeitpunkt 34,5 Prozent. Die Briefwähler sind dabei nicht enthalten.

Rot-rot-grüne Regierung in Thüringen möglich

Noch deutlich schwächer war die Beteiligung in Brandenburg. Dort gaben bis 14 Uhr laut Landeswahlleiter Bruno Küpper nur 22,4 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. Das waren 13,9 Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2009. Damals hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 36,3 Prozent gewählt. Vor fünf Jahren fand zugleich allerdings auch die Bundestagswahl statt.

Insgesamt waren fast vier Millionen Wähler aufgerufen, über die Zusammensetzung der beiden Parlamente zu entscheiden. Der Ausgang der letzten Landtagswahlen in diesem Jahr birgt Spannung: Die schwarz-rote Koalition in Erfurt und das rot-rote Bündnis in Potsdam konnten nach den Umfragen vor den Wahlen zwar mit einer Bestätigung rechnen, es waren aber auch ganz andere Konstellationen möglich.

In Thüringen schließt die SPD nach fünf Jahren als Juniorpartner der CDU nicht aus, in eine von den Linken geführte rot-rot-grüne Regierung zu gehen. Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Bodo Ramelow, will der erste linke Ministerpräsident in Deutschland werden.

CDU in Brandenburg möglicherweise zweitstärkste Kraft

Regierungschefin Christine Lieberknecht (CDU) sagte bei ihrer Stimmabgabe in Ramsla, sie hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung. Ramelow sagte in Erfurt: "Meine erste Hoffnung ist eine starke Wahlbeteiligung, meine zweite Hoffnung, dass wir nach einem erfolgreichen Wahlkampf von den Wählern den Auftrag für einen Politikwechsel bekommen."

In Brandenburg ging die seit 1990 regierende SPD als Favorit ins Rennen. Die Linke musste Umfragen zufolge mit deutlichen Einbußen rechnen. Die CDU dürfte zweitstärkste Kraft werden. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich bei seiner Stimmabgabe in Forst optimistisch, seine Arbeit fortsetzen zu können. Welchen Koalitionspartner er dabei bevorzugen würde, ließ er offen.

Erwartet wurde, dass in beiden Ländern die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) neu ins Parlament einzieht. Bei der Wahl in Sachsen hatte sie vor zwei Wochen fast 10 Prozent der Stimmen geholt. Schlecht sah es nach den Umfragen für die FDP aus - danach würde sie in keinen der beiden Landtage einziehen. Die FDP wäre dann in keinem Ost-Parlament mehr und bundesweit nur noch in 6 von 16 Landtagen vertreten.