Düsseldorf (dpa) l Mit dem Etikett "Neue Leipziger Schule" wurden alle Maler neben Kunststar Neo Rauch versehen, die nach der Wende Mitte der 90er Jahre an der berühmten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierten. Aus der untergegangenen DDR kam bis auf Rauch keiner, fast alle kamen aus dem Westen. "Sie waren sozialisiert durch die alte BRD", sagt der Galerist Gerd Harry Lybke, der 1985 in Leipzig die legendäre illegale "Werkstattgalerie Eigen + Art" gründete.

Es gebe auch keinen einheitlichen Malstil der Leipziger Künstler, sagt Lybke, ohne den der Ruhm von Rauch heute kaum denkbar wäre. "Aber Leipzig war ein Herd von Kreativität." Die Studenten kamen wie David Schnell aus Köln, wie Christoph Ruckhäberle aus dem bayerischen Oberpfaffenhofen oder wie Matthias Weischer aus Elte in Nordrhein-Westfalen. Der einzige gebürtige Leipziger war Neo Rauch, den Lybke als "besten und wichtigsten Maler seiner Generation weltweit" bezeichnet. "Neo Rauch hat die Tür zur Malerei wieder aufgemacht."

Ohne Lybke wäre Rauch wohl auch nicht ein solcher internationaler Erfolg beschert worden. Lybkes Galerie war in den 80ern der angesagteste Ort, um unabhängige Kunst in der DDR zu sehen. Nach dem Mauerfall wurde die "Werkstatt" zur international führenden Galerie für die Leipziger Künstler.

Dabei wollte der Kunstmarkt in den 90er Jahren alles außer Malerei, doch diese war ausgerechnet an der Leipziger Hochschule besonders wichtig. Dass Rauchs Bilder manchmal an den Sozialistischen Realismus der Ostblock-Diktaturen erinnern, schien für Sammler einen besonderen Charme zu haben.

Leipziger Dreigestirn

Im angesehenen Museum Kurhaus Kleve ist Harald Kunde Direktor. Er hat den Aufbruch der Leipziger Maler vor und nach der Wende hautnah miterlebt. Der Begriff "Neue Leipziger Schule" knüpft an die "Leipziger Schule" an, die Anfang der 1970er Jahre aufkam und eng mit dem Dreigestirn Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke verbunden war. "Ihnen war es relativ egal, welche Vorstellung die DDR-Funktionäre von Kunst entwickelten", sagt Kunde. Schon für die "Leipziger Schule" aber galt, dass es keinen einheitlichen Malstil gab. Tübke orientierte sich an manieristischen Vorbildern, Heisig malte in der Tradition von Lovis Corinth, Mattheuer schuf "Denk- und Problembilder" mit brisanten gesellschaftlichen Inhalten.Die Blütezeit der "Neuen Leipziger Schule" lag am Beginn des neuen Jahrtausends. Ist die Bewegung also tot? Ja, glaubt Kunde. Welterfolg hat weiterhin Neo Rauch. Kunde hatte erst 2013 in Brüssel eine große Rauch-Ausstellung kuratiert. "Die Neue Leipziger Schule hatte eine wichtige Zeit, wo sie auch der Ausdruck eines Lebensgefühls an einem bestimmten Ort war", sagt Kunde.