Erfurt/Berlin (dpa) l Nach der Thüringer Landtagswahl mit äußerst knappen Bündnisoptionen suchen CDU wie Linke nach einem tragfähigen Koalitionsmodell. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) strebt eine Fortsetzung des schwarz-roten Bündnisses an und kündigte Sondierungsgespräche mit den Grünen als potenziellem dritten Partner an. Eine schwarz-rot-grüne Koalition hätte 52 der 91 Sitze im Erfurter Landtag und damit eine deutliche Mehrheit.

In Thüringen sind nach der Landtagswahl eine schwarz-rote Koalition wie auch ein bundesweit erstes rot-rot-grünes Bündnis unter Führung der Linken möglich - jeweils nur mit einer Stimme Mehrheit.

Angesichts des Absturzes der SPD bahnte sich in der Landespartei ein Führungswechsel an. Landeschef Christoph Matschie muss seinen Posten wohl an Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein abgeben. Der wäre dann auch ein äußerst wichtiger Verhandlungspartner bei Koalitionsgesprächen. Allerdings werde er nicht in die neue Regierung gehen, sagte Bausewein. Neuer SPD-Fraktionschef könnte Matthias Hey werden. Er gewann als einziger Sozialdemokrat seinen Wahlkreis - und zwar den in Gotha.

Eine stabile Regierung sei auch für Schwarz-Rot alleine möglich, sagte Lieberknecht am Montag nach Sitzungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. "Wenn es eine noch stabilere Mehrheit geben würde, wäre das für das Land bei entsprechenden Schnittmengen auch von Vorteil."

Grünen-Spitzenkandidatin Anja Siegesmund sieht aber eine Dreierkoalition mit CDU und SPD skeptisch. "Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass ein solches Bündnis auf Landesebene trägt", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Schwarz-Rot habe auch ohne die Grünen eine Mehrheit. "Wir sind nicht der Ersatzspieler, wenn einer auf dem Feld nicht mehr will." Sondierungsgesprächen wollte sie sich aber nicht verschließen.

Die Linke rief SPD und Grüne zu einer linken Koalition auf Augenhöhe auf. Sie hat beide Parteien bereits zu Sondierungen eingeladen und will diese innerhalb von zwei Wochen abschließen. "Die Staatskanzlei gehört nicht der CDU", bekräftigte Spitzenkandidat Bodo Ramelow am Montag in Berlin. Und mit Blick auf die Wahlsiegerin: "Die CDU hat das Recht, sich in der Opposition zu erholen."

 

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