München - Ein Schweizer Polizist hat als Zeuge im NSU-Prozess nahegelegt, dass die wichtigste Mordwaffe des Trios schon 1996 in die rechtsextreme Szene Thüringens eingeschleust worden sein könnte, zwei Jahre vor dem Untertauchen des Terrortrios um Beate Zschäpe.

Der Ermittler berichtete im Prozess über mehrere Vernehmungen eines mutmaßlichen Gewährsmannes, auf dessen Namen und mit dessen Waffenerwerbsschein die Pistole vom Typ "Ceska" gekauft wurde.

Bei einer dieser Vernehmungen habe der Mann einen Freund ins Spiel gebracht, den er aus einem Motorradclub kenne. Der habe ihm seine Waffenerwerbsscheine abgekauft. Er habe gefragt, wofür er Waffen benötige, jedoch zur Antwort bekommen "dass er das eigentlich gar nicht wissen wolle oder es das Beste sei, wenn er das nicht wisse". Die Waffe war 1996 legal bei einem Schweizer Waffenhändler gekauft worden. Der mutmaßliche Mittelsmann bestritt aber, den Kauf selbst getätigt oder die Waffe je gesehen zu haben.

Der Mann aus dem Motorradclub lebte vorübergehend in Jena und ist mit einem Jugendfreund von Uwe Böhnhardt befreundet. Ein Mitangeklagter NSU-Unterstützer hatte gestanden, er habe die Waffe um die Jahrtausendwende bekommen und Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos übergeben. Die "Ceska" war bei den neun fremdenfeindlich motivierten Morden des Trios verwendet worden. Die Bundesanwaltschaft ist davon überzeugt, dass sie "spätestens 1999 oder 2000" gezielt für die Ermordung von Zuwanderern beschafft worden sei.