Berlin | Wenige Entscheidungen im Leben sind so simpel wie die vor öffentlichen Toiletten: Wer schon mal ein Kleidchen getragen hat, geht durch die Tür mit dem Strichmännchen im Kleid; wer ausschließlich Hosenerfahrung vorweist, nimmt die Hosenpforte. Was aber, wenn jemand von der Natur zum Hosenträger bestimmt ist, jedoch eine Vorliebe für das kleine Schwarze hegt? Oder wenn jemand sein letztes Kleid vor 20 Jahren trug, weil es heute gern die zarten Beine eintauschen würde gegen muskulöse, stark behaarte Exemplare?

Für sie wird die Entscheidung zum Gewissenskonflikt - auszutragen unter steigendem Blasendruck. Und wenn man Pech hat, wird man in der Örtlichkeit seiner Wahl noch schief angeguckt, weil die eigene Kleidung von der des Toilettenmännchens abweicht. In Berlin hat man das Problem erkannt. In drei Rathäusern gibt es jetzt Toiletten, auf die alle gehen können: Männlein, Weiblein und jene dazwischen. Ein Zeichen der Gleichberechtigung, lobte Bürgermeister Christian Hanke bei der Eröffnung. Allerdings wirft der Vorstoß zugleich die Frauen in ihrer Emanzipation zurück. Denn wenn sie sich künftig öffentliche Klos mit Männern teilen, zwingt sie das trotz Erziehungserfolgen beim Gatten, vor dem Toilettengang ständig die Klobrille runterzuklappen.