Berlin - Rund 20 500 ehemalige DDR-Heimkinder haben bis Ende August Ansprüche auf Leistungen aus dem Hilfsfonds für erlittenes Leid und Unrecht angemeldet. Am kommenden Dienstag läuft die Meldefrist aus.

Vor allem von Juni bis August sei das Interesse sehr stark angestiegen, sagte ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums. Allein in diesem Zeitraum hätten sich 5500 Betroffene gemeldet.

Ehemalige Heimkinder, die an Spätfolgen von Misshandlungen oder Arbeitszwang leiden, können Geld für Beratungen, Therapien und Sachleistungen beantragen. In der DDR gab es nach Schätzungen rund 400 000 Heimkinder. Einige leiden bis heute psychisch unter ihren Erlebnissen. Andere haben wegen fehlender Schul- und Berufsausbildung ihr Leben lang in Aushilfsjobs gearbeitet und erhalten wenig Rente.

Betroffene müssen bis Dienstag noch keine Anträge auf Leistungen einreichen, sondern lediglich erklären, dass sie als Heimbewohner Folgeschäden erlitten haben, wie Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte. "Damit halten wir unser Versprechen. Wer in Heimen der DDR Leid und Unrecht erlebt hat und bis heute unter den Folgen leidet, kann die Hilfen des Fonds bis 2017 in Anspruch nehmen."

Der Hilfsfonds speist sich je zur Hälfte aus Mitteln des Bundes und der ostdeutschen Länder. Wegen der unerwartet hohen Nachfrage waren die ursprünglich geplanten 40 Millionen Euro schnell verplant. Im Februar einigten sich Bund und Ost-Länder auf eine Aufstockung um bis zu 200 Millionen Euro.