Berlin - Die Snowden-Vertraute Laura Poitras ist froh, dass sie Berlin zum Basislager für ihre Arbeit an den NSA-Enthüllungen gemacht hat.

Ich habe mich sicherer gefühlt, als wenn ich in den USA gearbeitet hätte", sagte Poitras der Nachrichtenagentur dpa. Sie lebte bereits in Berlin, als der NSA-Enthüller Edward Snowden zum ersten Mal mit ihr Kontakt aufnahm.

Snowden beschrieb die Überwachungsprogramme, die er ans Licht bringen wollte, in einer Reihe von verschlüsselten E-Mails an Poitras. Sie merkte schnell, wie brisant die Informationen waren: "Mir war klar, dass wir einige sehr mächtige Menschen gegen uns aufbringen würden." Während der Berichte habe es großen Druck gegeben, der teilweise die Berichterstattung verlangsamt habe. Speziell der britische "Guardian" sei unter Druck gesetzt worden, sagte Poitras.

Poitras Dokumentarfilm über die Enthüllungen und die NSA-Spionage, "Citizenfour", startet am 6. November in den deutschen Kinos. Am Montag wird er auf dem Leipziger Dokumentarfilm-Festival gezeigt.

Das Herzstück des Films ist das Treffen von Snowden mit mehreren Journalisten in Hongkong. Kurz danach begannen die Enthüllungen. Die Snowden-Dokumente brachten das Überwachungsprogramm "Prism" ans Licht, mit dem der US-Geheimdienst sich Zugriff auf Nutzerdaten von Internetfirmen wie Facebook, Yahoo oder Google verschaffen kann. Die NSA hackte sich den Medienberichten zufolge in die internen Netze von Google und Yahoo, wollte Verschlüsselungstechniken knacken und verfolgte die Aufenthaltsorte von Handy-Besitzern. Der britische Geheimdienst GCHQ saugte demnach unter dem Codenamen "Tempora" Unmengen von Daten auf, die über Unterseekabel laufen.

"Das hat das öffentliche Bewusstsein verändert", sagt Poitras über die Enthüllungen. "Ob das auch dazu führt, dass Regierungen ihre Überwachungsprogramm ändern, ist eine offene Frage."

In Deutschland sammelt der NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag derzeit Informationen über die NSA. Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundesnachrichtendienst (BND). "Ich denke, das ist eine enge Beziehung", sagte Poitras. Die Kommunikation für die Drohnen-Angriffe der USA laufe über den rheinland-pfälzischen US-Stützpunkt Ramstein, sagte Poitras. Gleichzeitig erinnerte sie daran, dass die NSA auch Partner für Spionage ins Visier nehme, wie etwa die Internetfirmen.

Menschen hätten dennoch eine Chance, ihre Privatsphäre zu schützen. "Das, was einzelne Bürger tun können, ist Verschlüsselung zu benutzen", sagte Poitras. Das sei "die wichtigste Schlussfolgerung". Verschlüsselungsprogramme für E-Mails oder Chatnachrichten verwandeln den Text in eine unlesbare Folge von Ziffern und Buchstaben, die nur der Empfänger technisch wieder entschlüsseln kann. Zapft ein Gegner eine Internet-Leitung an oder zwingt E-Mail-Anbieter zur Herausgabe der Daten, kann er die Nachricht dennoch nicht entziffern. "Verschlüsselung stellt ein echts Problem für die NSA dar", sagte Poitras.