Berlin - Die Familienminister von Bund und Ländern wollen erstmals bundesweite Qualitäts-Standards für Kitas etablieren. Das ist das Ergebnis einer Bund-Länder-Gesprächsrunde.

Die Minister vereinbarten, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu bilden, die bis 2016 einen ersten Bericht vorlegen soll. "Das ist ein weiter Weg, das ist auch ein milliardenschweres Projekt", betonte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD).

Die Unterschiede sind derzeit noch sehr groß. Beispielsweise kümmert sich eine Kita-Mitarbeiterin in den westdeutschen Bundesländern im Durchschnitt um 3,4 Kinder im Alter von unter drei Jahren. In den östlichen Ländern trägt dagegen eine Erzieherin statistisch die Verantwortung für 5,8 Kinder.

Einheitliche Standards seien aber die Voraussetzung dafür, dass der Bund mehr Geld für frühkindliche Bildung bereitstellt, sagte Schwesig. Auf die Frage, ob sie in Kauf nehmen würde, durch zusätzliche Ausgaben im Kita-Bereich das Ziel der Bundesregierung, neue Schulden zu vermeiden, in Frage zu stellen, wies die Ministerin auf die Folgekosten von Mängeln in der frühkindlichen Bildung hin. Schwesig sagte: "Wenn wir im Kita-Bereich investieren, dann können wir uns viele Kosten nach hintenheraus sparen".

Laut Schwesig sollen die Länder für die Sprachförderung in den Kitas bis 2017 insgesamt 500 Millionen Euro erhalten. Sprachförderung sei nicht nur für Kinder aus Migrantenfamilien wichtig, sagte die rheinland-pfälzische Familienministerin Irene Alt (Grüne).

Seit August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch für die Betreuung und Förderung von Kindern ab der Vollendung des ersten Lebensjahres. Die Zahl der Kinder unter drei Jahren, die außerhalb der Familie betreut werden, ist seit 2006 um 131 Prozent auf 660 750 Kinder gestiegen.

Zu den Bereichen, in denen die Familienminister langfristig gemeinsame Standards vereinbaren wollen, gehören unter anderem eine ausgewogene Ernährung, ein guter Fachkraft-Kind-Schlüssel sowie mehr Fortbildungsmöglichkeiten für Erzieherinnen. Die Teilnehmer des Treffens betonten, dass es nicht darum gehe, sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen und alle über einen Kamm zu scheren. Beispielsweise müsse die Zahl der Erzieherinnen in Kindertagesstätten, die in sozialen Brennpunkten oder in Gebieten, wo mehr als die Hälfte der Kinder aus Migrantenfamilien stammen, höher sein, als in anderen Vierteln oder im ländlichen Raum. Das Gleiche gelte für Einrichtungen, in denen auch behinderte Kinder aufgenommen würden.