Umgang mit Cannabis in Deutschland

Cannabis-Produkte gelten in Deutschland als illegale Suchtmittel. Besitz, Anbau und Handel sind verboten. Beim Umgang mit "nicht geringen Mengen" Haschisch und Marihuana liegt die Höchststrafe bei 15 Jahren Haft.

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland – aber auch Basis für Medikamente. Den beiden Hauptwirkstoffen Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) wird eine krampflösende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. Das einzige in Deutschland zugelassene Medikament ist Sativex. Die meisten Kassen übernehmen in diesem Fall die Kosten.

Schwer kranke Menschen dürfen mit einer Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auch getrocknete Blüten oder Blätter über Apotheken beziehen. Bundesweit besitzen weniger als 300 Patienten eine solche Kauf-und-Konsum-Erlaubnis. Die Kassen beteiligen sich hier nicht.

Ende Juli hat das Kölner Verwaltungsgericht Schmerzpatienten in Ausnahmefällen den Anbau zu Therapiezwecken erlaubt. Privat Cannabis zu züchten, bleibt weiter verboten, kann aber als "Notlösung" erlaubt werden, wenn der Patient austherapiert ist, es keine Alternative gibt und Cannabis aus der Apotheke für ihn unerschwinglich ist.

Firmen wie THC Pharm in Frankfurt stellen eine "Rezeptursubstanz" her, aus denen Apotheker für jeden einzelnen Patienten, dem der Arzt das verschreiben hat, individuell dosierte Kapseln oder Tropfen herstellt. Die Kassen tragen die Kosten in etwa der Hälfte der Fälle.

Frankfurt/Main (dpa) | Der Konsum von Cannabis soll nach Ansicht von Experten entkriminalisiert werden. "Das Betäubungsmittelgesetz ist verfassungswidrig", meinte Prof. Lorenz Böllinger am Montag bei einer Tagung in Frankfurt. Böllinger ist Sprecher des "Schildower Kreises", einer Initiative von mehr als 100 Strafrechtsprofessoren, die sich für eine neue Drogenpolitik einsetzt. Nach Angaben des Bundes deutscher Kriminalbeamter entfielen im vergangenen Jahr 145.000 der 250.000 Drogendelikte auf Cannabis. Häufig würden die Verfahren wegen geringer Mengen eingestellt.

Cannabis-Konsum zu bestrafen, verstoße gegen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit, sagte Böllinger. Der Zweck, Handel und Konsum einzudämmen, werde nachweislich nicht erreicht. Es gebe viele negative Folgen, zum Beispiel erschwere es die Prävention. Cannabis-Konsum sei ein "opferloses Delikt: Der Konsument schädigt nur sich selbst – wenn überhaupt".

Die Frankfurter Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) kündigte einen Modellversuch im Rahmen des "Frankfurter Wegs" in der Drogenpolitik an. Dabei werden Prävention, Beratung und Therapie vor Repression gestellt. "Wir können nicht länger die Augen verschließen", sagte sie. "Wir brauchen pragmatische Handlungsansätze." Nach der Tagung sollen die Eckpunkte für das – noch nicht terminierte – Modellprojekt ausgearbeitet werden.