Rheinfelden | Beim Supermarktbesuch herrschen unausgesprochene Regeln. Gemeint sind hierbei nicht nur jene, die der Besitzer aufstellt - zum Beispiel das Verbot eigeninitiierter Weinproben. Mindestens genauso befolgenswert sind Vorgaben, die vom Kunden stammen. Eine dieser stillen Regeln lautet: Wenn du an der Wursttheke stehst, entscheide dich zügig.

Ein junger Mann aus dem badischen Rheinfelden hat dieses Gebot kürzlich missachtet. Dass sich sein Fauxpas sogar bis nach Sachsen-Anhalt herumgesprochen hat, liegt an den schmerzhaften Konsequenzen, die ihm daraus erwuchsen. Denn hinter ihm in der Schlange stand ein Mann - 83 Jahre alt - der offensichtlich viel von stillen Regeln hält. So viel, dass er dem Trödler mit seinem Krückstock kräftig eins auf die Ommel gab.

Was hätte er auch sonst machen sollen? Es ist ja nicht so, dass seine Sanktion ohne Vorwarnung erfolgt wäre. Schließlich hatte er dieses Würstchen vorher mit dem Einkaufswagen angestoßen - sogar mehrfach. Aber statt sich für die dezenten Hinweise dankbar zu zeigen, fing der Halunke auch noch an zu stänkern.

Abgesehen davon hatte der Senior sicher gute Gründe zur Eile. Einer ist pauschal aus seinem Alter abzuleiten und hätte somit gleich erkannt und berücksichtigt werden müssen: Rentner haben niemals Zeit. Seine anderen Gründe kann man nur erahnen. Vielleicht wollte er ja noch rechtzeitig zur Käsetheke - auf einen Flirt vorm Gorgonzola mit der flotten Käsefachverkäuferin Ingeborg, bevor die in die Mittagspause geht.