Norderney (dpa/mr) I Zu Weihnachten hat in diesem Jahr auf den Nordsee-Inseln ein eher österlicher Brauch Hochkonjunktur. Es sind allerdings keine buntbemalten Eier, sondern schlicht Schuhe, die dort derzeit eine ungeahnte Sammel- und Jagdleigenschaft entfachen, wo sonst Muscheln und Steine gefragte Suchobjekte sind. In den Kurverwaltungen freut man sich jedenfalls über die unverhoffte vorweihnachtliche Bescherung: Mehrere Dutzend Schuhe seien am Strand der Insel angespült worden, schätzte ein Mitarbeiter - andere Augenzeugen sprechen gar von Hunderten.

So oder so: Urlauber haben Spaß daran, die angeschwemmten Paare zu sammeln. "Wir haben allein am Montag 20 Schuhe gefunden und am Dienstag 30 weitere", sagte Moritz Maier, der mit seiner Bekannten Christine Krönke (25) nach Norderney gekommen ist.

Die beiden stehen extra früh auf, um wieder die von der Flut an den Strand getragenen Turnschuhe einzusammeln. "Wir wissen noch nicht, was wir damit machen", berichtete der 24-jährige Student aus Frankfurt. "Wenn wir genug Paare zusammen haben, wollen wir sie für einen guten Zweck stiften oder verkaufen." Es ist gewissermaßen eine kleine Weihnachtsbotschaft am Nordseestrand.

Auch auf der Nachbarinsel Langeoog wurden in den vergangenen Tagen Turnschuhe angespült. Dort waren die Finder ebenfalls kreativ. So richteten Urlauber laut Zeitungsberichten eine Tauschbörse ein, um beim Langeooger "Schuh-Memory" jeweils passende Paare zu finden.

Wie es dazu kommt, das der Wintersturm derzeit das besondere Sammelgut an den Strand spült, ist indes noch nicht geklärt. Wahrscheinlich ist bei Sturm ein Container über Bord gegangen, lautet eine Vermutung.