Weimar - Bei den Grünen bahnt sich neuer Streit über den künftigen Kurs der Partei an. Vertreter des linken Flügels warnen die Partei, zu sehr in die Mitte zu rücken und klare Positionen aufzugeben.

"Wir Grüne können und wollen es nicht allen recht machen, wir wollen uns nicht an alle und jeden ohne Mut und eigene Ideen ankuscheln", schreiben Agnieszka Brugger und Sven Lehmann in einem Papier, das sie parallel zum Abschluss der Klausur der Bundestagsfraktion in Weimar veröffentlichten.

Brugger ist verteidigungspolitische Sprecherin der Fraktion im Bundestag, Lehmann Landeschef in Nordrhein-Westfalen. "Wir müssen raus aus der Komfortzone", heißt es in dem Papier, über das zuvor "Spiegel Online" berichtet hatte. Es bestehe der Eindruck, dass wesentliche Teile des programmatischen Grundkonsenses nach und nach infrage gestellt würden, ohne dass dies auf einem Parteitag jemals beschlossen worden sei, kritisieren Brugger und Lehmann.

Die Grünen seien lange dafür gewählt worden, dass sie "überholte Ansichten und verkrustete Strukturen" infrage gestellt hätten. Die Grünen müssten sagen, wie etwas geändert werden solle - "auch wenn es bisweilen unbequem ist und wir damit anecken und provozieren".

Die Wähler erwarteten, dass die Grünen vor allem drei Dinge ausstrahlten: Zuversicht, augenzwinkernde Selbstironie und provokant-frechen Charme. "Allerdings drohen diese verloren zu gehen, wenn Unterschiede zu anderen Parteien verschwimmen."