Berlin - Der Zulauf für die islamfeindliche Pegida-Bewegung in Sachsen hat nach Einschätzung von Linke-Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi auch mit der ostdeutschen Mentalität zu tun.

Dies sei zumindest bei den Älteren der Fall, sagte Gysi auf eine entsprechende Frage des "Tagesspiegels". "Dort lebte man ja in einer eingeschlossenen Gesellschaft, kannte die Welt nur aus dem Fernsehen. Von einem Tag auf den anderen wurden diese DDR-Bürger dann nicht nur zu Deutschen, sondern gleich noch zu Europäern und Weltbürgern." Gleichzeitig hätten sie erlebt, "wie sich in ihrer Umgebung alles verfremdete, weil andere Kulturen, andere Menschen Einfluss bekamen. So entstanden Überforderungssituationen".

Die Politik habe zu wenig getan, um Ängste vor dem Islam abzubauen oder gar nicht entstehen zu lassen, sagte Gysi, der in seine Kritik ausdrücklich sich selbst und seine Partei einbezog. "Wo Bürger mit Menschen islamischen Glaubens zusammenleben, gibt es diese Ängste ja auch kaum, sie sind eher abstrakt und beeinflusst durch Berichte über islamistische Gewalt aus anderen Ländern." Nötig sei jetzt "eine groß angelegte Aufklärungskampagne".

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hält angesichts der Pegida-Demonstrationen von der CSU eine schärfere Auseinandersetzung der Union mit linken Positionen für nötig. Den Pegida-Demonstranten gehe es vor allem um Angst "vor ungebremster Zuwanderung, um eine Uminterpretation des Leistungsgedankens, eine Verfälschung des Eigentumsbegriffs und eine einseitigen Gerechtigkeitsdiskussion", sagte Dobrindt dem "Münchner Merkur". "Das sind genau die Themen, die die linken Gruppen offensiv betreiben. Mit ihnen sollten wir eine harte Auseinandersetzung führen."

Dobrindt räumte ein, dass bei Pegida "eine Reihe von radikalen Dumpfbacken" aktiv sei, und sagte: "Wir grenzen uns klar von den Rädelsführern ab. Aber wir müssen schon ernst nehmen, wenn Tausende auf die Straße gehen. Das darf kein Widerspruch sein." Er unterstütze auch nicht alles, was Teile der Gegendemonstranten erzählten.