Berlin (dpa) | Führende Politiker wollen am Dienstag gemeinsam mit den Muslimen in Deutschland gegen islamistischen Terror und für ein friedliches Zusammenleben der Religionen demonstrieren.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte nach den Terroranschlägen in Paris mit 17 Toten vor einer pauschalen Verurteilung der rund vier Millionen Muslime, die in Deutschland leben. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff habe gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. "Dieser Meinung bin ich auch", sagte Merkel am Montag in Berlin nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu.

Union, SPD, Linke, Grüne und FDP teilten mit, dass sie sich der Mahnwache des Zentralrats der Muslime am Dienstag um 18 Uhr am Brandenburger Tor anschließen, dabei wird Bundespräsident Joachim Gauck eine Rede halten. Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) und mehrere Minister nehmen teil, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter.

An der Kundgebung für Toleranz beteiligen sich auch führende Vertreter des Judentums. Der Zentralrat der Juden teilte am Montag auf Anfrage mit, der Verband sei offiziell eingeladen worden, Vizepräsident Abraham Lehrer werde am Brandenburger Tor sprechen. Bei den Anschlägen in Paris waren auch vier Juden von einem islamistischen Attentäter getötet worden.

Die Veranstaltung hat das Motto "Zusammenstehen - Gesicht zeigen". Merkel sagte, damit werde ein wichtiges Zeichen für das friedliche Zusammenleben der Religionen gesetzt. "Ich bin die Bundeskanzlerin aller Deutschen. Das schließt alle, die hier dauerhaft leben, mit ein, egal welchen Ursprungs und welcher Herkunft sie sind." Unabhängig von der Religion seien alle willkommen, die sich zu deutschen Gesetzen bekennen würden und auch Sprachkenntnisse hätten.

Gabriel hatte vergangene Woche eine eigene Kundgebung angeregt und mit dem Vorpreschen für Verstimmung gesorgt. Er und Merkel verständigten sich anschließend darauf, dass sich alle der Mahnwache anschließen, wie es in Koalitionskreisen hieß. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte: "Wir wollen damit deutlich machen, dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen." Der islamfeindlichen Pegida-Bewegung warf sie eine Instrumentalisierung der Opfer vor.

Der Bundestag gedenkt am Donnerstag der Anschläge von Paris. Merkel werde dabei zu dem Thema eine Regierungserklärung abgeben, bestätigten Regierungskreise der Deutschen Presse-Agentur eine Meldung des "Tagesspiegels". Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) werde zudem zu Beginn eine kurze Ansprache halten.