Beide Vorträge können im Internet angesehen werden: www.med.uni-magdeburg.de/medizinischer_sonntag

Magdeburg l "Blut ist dicker als Wasser", pflegte Kaiser Wilhelm II. bei königlichen Treffen zu bemerken. Sprichwörtlich ist das sogar korrekt, denn Blut setzt sich aus ganz verschiedenen zellulären und kleineren, biomolekularen Bestandteilen zusammen. Zum besseren Verständnis der vielzähligen Erkrankungen des Bluts erklärte Privatdozent Dr. Florian Heidel von der Magdeburger Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie zunächst die körpereigene Bildung der Blutzellen - insbesondere der roten und weißen Blutkörperchen (Erythrozyten bzw. Leukozyten). Häufigste Blutzellen sind die wie ein Gummiboot geformten roten Blutkörperchen. Sie sorgen für den Energienachschub der Nerven, Muskeln sowie anderer Gewebe und Organe.

Grob zu unterscheiden sind Erkrankungen durch Blutarmut (Anämien) und durch zu viele rote Blutkörperchen bzw. zu viel darin enthaltenes Eisen (Polyzythämie). Unspezifische Symptome dieser Blutbildungsstörungen können z. B. sein: häufige Abgeschlagenheit und Müdigkeit, häufige Infektionen und Entzündungen, ohne äußeren Anlass auftretende blutunterlaufene Hautflecke. Luftnot und Herzklopfen, Ohrensausen und eine starke Blässe der Haut und der Schleimhäute.Die Ursachen sollten durch Ärzte abgeklärt werden. Mögliche Ursachen von Blutbildungsstörungen sind angeborene, genetische Störungen sowie die mit zunehmendem Alter immer häufiger auftretenden genetischen Schäden (Gen-Mutationen). Daraus können sich bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems entwickeln. Der Laie spricht dann von Blutkrebs, worunter der Mediziner verschiedene Formen von Leukämie versteht.

Die Referenten informierten über moderne Methoden der Diagnostik des Blutes und des Knochenmarks. Das Knochenmark ist gewissermaßen die Wiege der meisten Blutzellen. Es produziert unablässig sogenannte Stammzellen, die zeitlebens zu neuen Blutzellen heranreifen. Fehlprogrammierungen in diesem Reifungsprozess sind ein häufiger Grund für Bluterkrankungen.

Prof. Dr. Thomas Fischer, Direktor der Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie, erläuterte anhand von Fallbeispielen aus der Klinik und mikroskopischen Laboranalysen der Blutzellen verschiedene Sonderformen der Blutarmut. Er informierte des Weiteren über den Ablauf der "allogenen peripheren Blutstammzelltransplantation" und deren verschiedene Einsatzgebiete.

Bei chronischen Verlaufsformen liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit nach fünf Jahren noch bei 90 Prozent. Und selbst bei der akuten Form der Leukämie, die im vergangenen Jahrhundert fast immer zum baldigen Tod führte, liegt die fünfjährige Überlebenschance inzwischen bei knapp 50 Prozent. Daran haben neue, erstmals zielgerichtet gegen die Krebszellen wirkende Medikamente einen großen Anteil.

Beide Vorträge können im Internet angesehen werden: www.med.uni-magdeburg.de/medizinischer_sonntag

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