Beim Fahrradbauer Mifa in Sangerhausen übernahm am Donnerstag der neue Investor offiziell die Geschäfte. Für Insolvenz- verwalter Lucas Flöther ist damit die Sanierung des insolventen Unternehmens abgeschlossen. Im Interview erläutert er, was er noch zu tun hat.

Wie ist die derzeitige Lage bei Mifa?
Lucas Flöther: Die Geschäfte laufen gut. Als Insolvenzverwalter ist es mir gelungen, die Auftragsbücher für das komplette Jahr 2015 zu füllen.

Was übergeben Sie genau an den Investor Heinrich von Nathusius?
Vereinbart worden ist, dass er zum 31. Januar alle Vermögensgegenstände erhält. Dazu zählen zum Beispiel die Betriebsmittel, die Immobilien, die Belegschaft und die Marke. Mifa wird dann unter dem neuen Namen Mifa-Bike-Gesellschaft mbH firmieren.

Und was wird aus der Mifa Fahrradwerke AG?
Die Aktiengesellschaft ist jetzt quasi eine Hülle, die ich abwickeln muss, um die Forderungen der Gläubiger bestmöglich zu befriedigen. Bis jetzt habe ich als Insolvenzverwalter produziert und verkauft, um den Betrieb am Laufen zu halten. Jetzt geht es daran, in akribischer Arbeit die Bücher der AG zu durchforsten.

Was heißt das?
Es muss geklärt werden, wie es zu dem Fehlbetrag von 30 Millionen Euro kommen konnte und wieso Bestände falsch bewertet wurden. Wir müssen jetzt jeden Posten analysieren, die Staatsanwaltschaft ermittelt ja bereits. Außerdem steht nach wie vor im Raum, dass der indische Fahrradhersteller Hero Cycles, der Mifa ursprünglich übernehmen wollte, Industriespionage betrieben haben soll. Auch das muss geprüft werden. Schließlich haben wir eine Verantwortung den Gläubigern gegenüber.

Ende Februar ist Gläubigerversammlung. Was können Sie ihnen sagen?
Eine Schätzung der für die Gläubiger zu erwartenden Quote ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich, da ja verschiedene Haftungs- und Anfechtungsansprüche noch geprüft werden. Ich hoffe, dass ich Ende Februar schon mehr sagen und eine vorsichtige Schätzung wagen kann.

Sie haben beantragt, die Aktien des Unternehmens im Sommer von der Börse zu nehmen. Der vollständige Börsenrückzug soll zum 29. Juli wirksam werden. Gehört dieser Schritt zur Abwicklung des Unternehmens? Haben Sie schon die Antwort der Börse?
Ja, es gehört zur Abwicklung. Eine Antwort habe ich noch nicht, aber ich denke, dass der Börsenrückzug zum 29. Juli erfolgen wird.

Der neue Eigentümer Heinrich von Nathusius hat angekündigt, mit den 600 Beschäftigten in diesem Jahr einen Umsatz von 100 Millionen Euro und einen leichten Gewinn erzielen zu wollen. Halten Sie das für realistisch?
Ab 1. Februar hat Herr von Nathusius hier das Sagen. Deshalb kann und will ich mich nicht über seine Ziele äußern. Doch machbar ist es aus meiner Sicht.

Sie haben schon zahlreiche Unternehmen als Insolvenzverwalter begleitet. Ist Mifa einer Ihrer größeren Fälle und was hat die Insolvenz gekostet?
Ja, die Mifa gehört zweifellos zu meinen größten Fällen. Ein börsennotiertes Unternehmen aus der Insolvenz zu führen, ist nie ein leichtes Unterfangen. Zu den Kosten kann ich noch nichts sagen, da die Abwicklung der Aktiengesellschaft ja noch nicht abgeschlossen ist und noch viele Jahre dauern kann, wenn es zu gerichtlichen Ausein andersetzungen kommt. (dpa)