Magdeburg l Mit knapp 90 Prozent haben die Mitglieder der CDU in Magdeburg Edwina Koch-Kupfer als Herausforderin von Amtsinhaber Lutz Trümper bei der Oberbürgermeisterwahl am 15. März nominiert.

Bei der Wahlkreismitgliedervollversammlung im Plaza-Hotel waren am Freitagabend 80 wahlberechtigte CDU-Mitglieder anwesend. Als das Ergebnis der Stimmzettelauszählung vom Landtagsabgeordneten Jürgen Scharf verlesen wurde, ging ein hörbares Raunen durch den Saal. 70 gewährten ihr die Unterstützung, acht versagten ihr diese jedoch (fehlende Stimmen: eine Enthaltung, eine ungültig). Dabei hatten der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Wigbert Schwenke, und der Bundestagsabgeordnete Tino Sorge zuvor noch die Einigkeit beschworen, um die Chance auf den Einzug ins Rathaus zu wahren.

Aber selbst Wigbert Schwenke, der vor sieben Jahren erfolglos gegen Trümper angetreten war, musste dem "Platzhirsch" zugestehen, dass man ihm "keine großen Verfehlungen" vorwerfen könne. Der große Vorteil Koch-Kupfers, der sowohl ihm als auch Trümper fehle, sei ihr "weiblicher Charme", erklärte Schwenke.Und auch wenn sechs Wochen nicht viel Zeit seien, "haben wir eine Chance, um eine Überraschung zu schaffen."

Auch der Kreisvorsitzende Tobias Krull konstatierte, dass es "keine einfache Wahl" werden wird. Ihr Vorteil sei es aber, dass sie Menschen begeistern könne. Deshalb habe man auch besonders die stärkste Wählergruppe der vergangenen OB-Wahl im Blick: die Nichtwähler. 65 Prozent der Magdeburger Wähler verzichteten 2008 darauf ihre Stimme abzugeben. "Wir haben die Chance, andere Wähler zu erreichen, die sonst nicht auf die CDU achten", erklärte er.

Damit spielte er auf die politische Vergangenheit Koch-Kupfers an, die erst im vergangenen Jahr in die Reihen der CDU eintrat. Zuvor saß sie als Parteilose für die Linken im Stadtrat ihrer Heimatstadt Halberstadt und im Landtag. "Ich habe aber festgestellt, dass wir nicht wirklich zueinander passen", erklärt sie die abrupte politische Kehrtwende. Mit der CDU sei sie jetzt "politisch angekommen". Auch in Magdeburg ist sie erst seit kurzer Zeit angekommen. Mit ihrem Mann hat sie ein Haus gekauft. "Nochmal ziehe ich nicht um", sagt sie entschlossen. Der Wahlkampf sei deshalb "eine wunderbare Gelegenheit, um sich als neue Kraft für die Stadt vorzustellen".

Gleich mehrfach bezogen sich die CDU-Mitgleider in ihren Reden auf den "Zeit"-Artikel über Magdeburg, der ob seiner positiven Botschaft viel Euphorie bei hiesigen Politikern auslöst. Dass die beschriebene Entwicklung unter dem amtierenden OB stattfindet, spricht auf den ersten Blick nicht für einen Wechsel. Schwenke verwies aber auf den Beitrag seiner Fraktion zum Aufschwung und Tino Sorge ergänzte: "Es kann immer noch besser gehen." Er unterstellte dem Stadtoberhaupt zudem "Züge einer absolutistischen Monarchie" angesichts mancher Entscheidung.

Nach der Wahl zeigte sich Edwina Koch-Kupfer zuversichtlich. Auf die Frage, wann der Wahlkampf beginnt, anwortete sie: "Jetzt sofort". Ab dieser Woche sollen die Magdeburger zumindest ihr Gesicht kennenlernen, wenn die Plakate mit ihrem Konterfei an den Straßen aufgehängt werden.

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