Essen (dpa) | Zu Karneval in sexy Polizei-Uniform, im Alltag ein Spießer: Wer bislang im Narrenkostüm seine Identität vertuschen wollte, hat Pech gehabt. Der Psychologe Ralf Schmiel erklärt, was das Kostüm über den Träger sagt.

Der Klassiker: Cowboy und Indianer geht immer. Experimentierfreudig? Eher Fehlanzeige. "Die Träger wollen kein Risiko eingehen und haben ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis", sagt der Psychologe.

Der Moderne: Wer sich im digitalen Zeitalter lieber als Handy verkleidet oder blinkende Apps, ist keinesfalls ein Trendsetter. "Sie schwimmen nur auf der Welle mit."

Der Gewagte: Wer mit üppigem Busen prahlt oder seinen nackten Oberkörper zur Schau stellt, hat Schmiel zufolge exhibitionistische Tendenzen. Hinter der Maske stecken aber nicht nur offenherzige Menschen, sondern vor allem die Verklemmten. "Gerade diejenigen trauen sich dann ausnahmsweise, zu Karneval diese Facette zu leben."

Der Historiker: Früher war alles besser! Wer zu Karneval, Fasching oder Fastnacht als Knecht, Magd oder Baron durch die Straßen zieht, sehnt sich nach einer "glorifizierten Scheinwelt mit dem schönen Happy End", analysiert der Psychologe.

Der Politische: Wer sein Gesicht hinter Merkel- oder Obama-Masken versteckt, "will eine Botschaft senden und politisches Mitteilungsbedürfnis ausdrücken", deutet Schmiel. Dabei gebe es zwei Typen: Die Lauten, die immer ihre Meinung sagen - und die Schüchternen, die sich nur im Kostüm trauen, auch mal den Mund aufzumachen.