Bitterfeld-Wolfen (dpa) | Die Produktion von Solarzellen bei Hanwha Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen ist Geschichte. Mit Ende der Nachtschicht um 6 Uhr sei die Produktionsstraße gestoppt worden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. 14 Jahre nach dem Start der Produktion in Bitterfeld-Wolfen will das Unternehmen die Herstellung der Zellen ins Ausland verlagern. Forschung, Entwicklung und die Konzeption von Großanlagen sollen aber in Sachsen-Anhalt erhalten bleiben.

Nach früheren Angaben sollten 550 der 800 Jobs in Deutschland abgebaut werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über die genaue Zahl dauern aber noch an, wie das Unternehmen erklärte. Nach Angaben aus der Magdeburger Staatskanzlei wurde inzwischen erreicht, dass 80 zusätzliche Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Ursprünglich war das Ende der Solarzellen-Herstellung zum 1. März geplant. Allerdings wolle man allen betroffenen Mitarbeitern an diesem Mittwoch in Bitterfeld-Wolfen die Gelegenheit geben, sich auf einer Jobbörse über alternative Jobs zu informieren. Bei der Jobbörse des Unternehmens und der Bundesagentur für Arbeit wollen sich rund 50 Firmen aus der Region vorstellen, die neue Mitarbeiter suchen.

Die Produktion bei Hanwha-Q-Cells lief bislang in vier Schichten rund um die Uhr und auch an den Wochenenden. Die Solarzellen müssen dabei unter anderem mehrere Säurebäder durchlaufen. Es gab zwar keine Fließbänder, wohl aber eine Produktionsstraße. Der Produktion sei ganz sachlich heruntergefahren worden, sagte Unternehmenssprecher Jochen Endle. "Da gab es nichts feierliches."

"Die Verlagerung der Produktion ins Ausland bleibt schmerzlich", erklärte Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) einem Sprecher zufolge. Haseloff hatte Ende Januar mit dem Unternehmen und dem Betriebsrat gesprochen, um den Stellenabbau abzumildern. Laut Regierungssprecher Matthias Schuppe hat das Unternehmen zugesagt, die Zahl der Kündigungen von 550 auf 470 zu reduzieren.

Bis zum 1. März ist nun eine Inventur geplant. Dann sollen die Maschinen verpackt und unter anderem nach Malaysia transportiert werden. Die Produktion in Bitterfeld-Wolfen war 2001 gestartet, das Unternehmen 1999 gegründet worden. Während die industrielle Massenproduktion damit Geschichte ist, soll eine kleine Fertigungslinie für die Forschung in der Halle erhalten bleiben.

Zuletzt war Hanwha Q-Cells einschließlich seiner in der Produktion schon deutlich größeren Tochter in Malaysia nach eigenen Angaben Europas größter Photovoltaik-Hersteller. Künftig soll die Firma mit einer weiteren Solartochter des südkoreanischen Mischkonzerns Hanwha verschmelzen, die vor allem in China produziert. Das neue Unternehmen soll dann der weltgrößte Hersteller sein.

Q-Cells war 2012 nach einer Insolvenz von Hanwha übernommen worden. Der im Januar dieses Jahres verkündete Produktionsstopp stieß in der Landespolitik auf scharfe Kritik. Das Unternehmen habe zuletzt den Eindruck vermittelt, es gehe aufwärts. Daher sei die Schließung der Produktion "ein unglaublicher Vorgang", hatte SPD-Chefin Katrin Budde erklärt. Die Opposition hatte von einer herben Niederlage für die Wirtschaftspolitik der schwarz-roten Koalition gesprochen.