Salzwedel l 260 Schüler lernen in der Jeetzeschule, die sich der Reformpädagogik verschrieben hat und von einem privaten Verein getragen wird. Derzeit winkt sogar bundesweites Renommee: Beim Wettbewerb um den angesehenen Deutschen Schulpreis hat es die Einrichtung in die Runde der besten 20 geschafft - als einzige aus Sachsen-Anhalt.

Vollkommen anders urteilt allerdings das Kultusministerium. In einem 27-seitigen Bericht hat die Schulaufsicht zahlreiche Beanstandungen zusammengefasst. Nach Volksstimme-Informationen rügen die Prüfer den Einsatz nichtqualifizierter Lehrer, Pannen bei der Abiturprüfung, die rechtswidrige Aufnahme von Schülern und sogar hygienische Probleme.

Kein Unterricht mit DDR-Diplom

Zu Details will sich das Ministerium nicht äußern, die Liste der Vorwürfe soll nun mit dem Trägerverein ausgewertet werden. Es gehe um "schwerwiegende Mängel", sagte ein Sprecher. Gegenüber der Schule droht das Land sogar mit der schärfsten Waffe: dem Entzug der staatlichen Anerkennung. Ohne die entfällt der Landeszuschuss, die Schule müsste aufgeben.

Alarmiert war die Schulaufsicht bereits im vergangenen Jahr, als die Gesamtschule erstmals Abiturprüfungen abhielt. Von den elf Kandidaten bestanden lediglich sechs. Die Schule führt das auch darauf zurück, dass das Land überraschend mehreren Lehrern die Anerkennung versagt hat.

Das Ministerium hat etwa verboten, Pädagogen mit DDR-Diplom in der Oberstufe einzusetzen oder einen niedersächsischen Hauptschullehrer oberhalb der sechsten Klasse. "Wir sind überzeugt, dass das gute Pädagogen sind, dürfen sie aber nicht einsetzen", klagt Schulleiterin Antje Pochte.

Privatschulen kritisieren strenge Maßstäbe

Auch andere Privatschulen klagen über diese Praxis. Dem Internationalen Gymnasium in Barleben (Landkreis Börde) untersagte das Land im vergangenen Jahr die Anstellung einer Chinesin. Dabei hatte die sogar schon an einer deutschen Universität gelehrt. Das Gymnasium zog vor Gericht und gewann. "Ob ein Lehrer guten Unterricht macht, interessiert niemanden", beklagt Marco Langhof vom Vorstand der Trägerstiftung. "Es geht nur um Formales und immer gilt die größtmögliche Restriktivität."

Die Privatschulen sehen sich gegenüber den öffentlichen benachteiligt. "Die Schulverwaltung scheint oftmals strengere Maßstäbe anzulegen", rügt Jürgen Banse vom Verband der Privatschulen.