Wiesbaden (dpa) l Der Preisverfall bei Sprit und Heizöl ist vorerst gestoppt: Vor allem deshalb sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Februar auf Jahressicht wieder minimal gestiegen. Die jährliche Inflationsrate lag voraussichtlich bei plus 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Volkswirte hatten mit einem Rückgang der Preise um 0,3 Prozent gerechnet. Im Januar waren die Preise noch um 0,4 Prozent zum Vorjahresmonat gesunken - damit hatte die jährliche Teuerungsrate erstmals seit 2009 im Minus gelegen.

Gegenüber dem Januar stiegen die Verbraucherpreise nach der ersten Schätzung um 0,9 Prozent. Aus Mitteilungen aus mehreren Bundesländern geht hervor, dass vor allem der jüngste Auftrieb der Treibstoff- und Heizölpreise für den Anstieg verantwortlich ist.

In den vergangenen Monaten hatte die Talfahrt der Ölpreise die Inflationsrate immer weiter nach unten gedrückt. Jüngst haben sich die Ölpreise aber etwas erholt. Zwar kosteten Haushaltsenergie und Kraftstoffe auch im Februar deutlich weniger als vor einem Jahr. Der Preisrückgang verlangsamte sich aber von 9,0 Prozent im Vormonat auf nun 7,3 Prozent. Auch Nahrungsmittel waren zwar erneut günstiger als vor zwölf Monaten. Die Preise sanken aber nur noch um 0,4 Prozent, im Januar waren Nahrungsmittel noch 1,3 Prozent billiger als im Vorjahr.

Dass die Verbraucherpreise insgesamt trotzdem stiegen, liegt daran, dass sich Dienstleistungen um 1,4 Prozent verteuerten. Das sei ein klares Zeichen dafür, dass es in Deutschland keine Deflationsgefahren gibt, sagte Carsten Brzeski, Chef-Ökonom der ING-DiBa. Unter Deflation verstehen Ökonomen eine gefährliche Abwärtsspirale der Preise auf breiter Front, die die Wirtschaft einfrieren könnte.

Commerzbank-Ökonom Marco Wagner betont, dass die Teuerungsrate im Februar auch ohne die Preiserhöhungen bei Energie gestiegen sein dürfte: "Hierfür war wohl auch der seit Januar geltende Mindestlohn verantwortlich. So sind die Preise für bestimmte Dienstleistungen wie Taxifahrten und Restaurantbesuche merklich gestiegen."

Dieser Trend werde die Inflationsrate im Jahresverlauf weiter nach oben hieven. Brzeski erwartet, dass die Inflation wegen der weiterhin niedrigen Energiepreise auch in den beiden kommenden Monaten nahe Null bleiben wird: "Vor dem Hintergrund eines robusten Arbeitsmarktes und jüngster Lohnerhöhungen dürfte das den privaten Konsum weiter befeuern."

Die Inflation ist immer noch weit vom Zielwert der Europäischen Zentralbank entfernt, die eine Rate von knapp unter 2 Prozent anstrebt. Deshalb hat die EZB die Zinsen nahezu abgeschafft und flutet die Märkte mit mehr als einer Billion Euro.