München - Die evangelische Landeskirche in Bayern entschädigt Opfer sexueller Gewalt. Die Kirche und die Diakonie übernähmen Verantwortung für das Leid, das den Opfern zugefügt worden sei, teilte ein Sprecher in München mit.

Geld können Menschen bekommen, "die glaubhaft machen, dass sie sexuelle Übergriffe durch kirchliche oder diakonische Mitarbeitende erlitten haben, und deren Ansprüche gegenüber den Tätern und den Institutionen inzwischen verjährt sind". Über die Höhe der Zahlungen entscheidet eine unabhängige Kommission.

Die Landeskirche setzt damit nach eigenen Angaben eine Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) um. Diesen Empfehlungen folge etwa die Hälfte der Landeskirchen in Deutschland, sagte ein EKD-Sprecher. In den anderen Landeskirchen seien noch keine Anträge auf Entschädigung gestellt worden, also hätten die Verantwortlichen noch nicht tätig werden müssen. Katholische Bistümer leisten schon seit einigen Jahren Entschädigungszahlungen.

Es gehe aber nicht nur ums Geld, betonte Kirchenrätin Johanna Beyer, Leiterin der landeskirchlichen Anlaufstelle für Opfer sexualisierter Gewalt in München: "Viele Menschen, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, wollen zuallererst, dass die Kirche ihr Leid und ihren Schmerz wahrnimmt." Mit der Kommission gebe es nun ein Gremium, das sich mit jeder einzelnen Lebensgeschichte befasse und das erlittene Leid anerkenne.

Wie viel Geld die Landeskirche für die Zahlungen genau eingeplant hat, will sie nicht veröffentlichen. Die Kommission sei in ihren Entscheidungen völlig frei, welche Summe sie jeweils für angemessen hält, sagte der Sprecher. Dem Gremium gehören unter anderem Experten für Psychotherapie an sowie die ehemalige Präsidentin der Landessynode, die Juristin Dorothea Deneke-Stoll.