Berlin - Der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Parteichef Sigmar Gabriel indirekt eine fehlende Aufarbeitung der Niederlage bei der Bundestagswahl 2013 vorgeworfen.

Wenn die SPD 2017 wieder die 30-Prozent-Marke überspringen wolle, dann müsse die Niederlage "einer gründlichen Analyse unterzogen werden", schreibt Steinbrück in dem Buch "Vertagte Zukunft", das am 11. März erscheint. Seine Kandidatur stellt er darin als einen Fehler dar.

Wenn sich die Politik der SPD nur darin erschöpfe, den "Wohlfahrtsstaat auf hohem Niveau weiter auszubauen, weckt sie keine Begeisterung mehr", kritisiert der 68-Jährige. "Es steht nirgends geschrieben, dass die SPD aufgrund ihrer langen Geschichte und ihrer Verdienste um die Demokratie und den sozialen Frieden einen Bonus auf die Zukunft hat", warnt er.

Gabriel selbst verweist auf Klausuren und Besprechungen, in denen auch die Gründe für das Ergebnis von 25,7 Prozent erörtert worden sein. Einige SPD-Granden teilen allerdings Steinbrücks Sicht.

Der frühere Bundesfinanzminister fordert von der SPD einen Kurs als Fortschrittspartei, "in der Aufstiegschancen und soziale Gerechtigkeit in Einklang stehen mit gesamtwirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit". Einige seiner Ausführungen seien "für die Programmatiker und Grundsatzabteilungsleiter der SPD schwere Kost". Eindringlich warnt er vor Rot-Rot-Grün. Das würde die SPD noch tiefer fallen lassen. "Ich bin ganz sicher: Es gäbe ein böses Erwachen."