Magdeburg l Dass der zweite Magdeburg-Auftritt von Kraftklub etwas Besonderes werden würde, hatte Schlagzeuger Max Marschk bereits im Volksstimme-Interview angekündigt. Ein ungewöhnliches Bild gab die Stadthalle am Sonntagabend dann auch tatsächlich ab. Im Gegensatz zum ersten Auftritt 2012 wurden dieses Mal auch die oberen Ränge geöffnet. Somit gab es auch Sitzplätze.

Bei Kraftklub-Shows ein sehr seltener Anblick. Nach einem lauten Knall fiel der Vorhang und die Show startete mit "Für immer allein". Keine Ansage, kein Geschwurbel. Aus dem Publikum gab es nach dem Blitzstart allerdings "Aufstehen, Aufstehen"-Sprechchöre in Richtung Empore. Schließlich hatte Magdeburg einen Ruf zu verlieren.

Denn Kraftklub hatte erst wenige Tage zuvor beim Auftritt in Leipzig ein kleines Mini-Erdbeben ausgelöst. Die Fans waren dort so gleichmäßig gesprungen, dass besorgte Anwohner die Feuerwehr riefen und das Geophysikalische Observatorium am Collm alarmiert wurde. Bislang war ein ähnliches Szenario zu ihren Hochzeiten lediglich Tokio Hotel geglückt. "Magdeburg, an euch haben wir gute Erinnerungen", rief Sänger Felix Kummer gleich zu Beginn. War doch die Show 2012 die größte der Tour.

Die Stimmung war für einen Sonntagabend gelassen. "Kraftklub, Kraftklub"-Sprechchöre schallten der Band wiederholt entgegen. "Müsst ihr morgen nicht arbeiten?", fragte ein sichtlich amüsierter Kummer das Publikum. Man merkte schnell, dass Kraftklub in Spiellaune waren. Zwar hatte es im Vorfeld ein paar Probleme mit der zu kleinen Bühne der Stadthalle gegeben. Ein Teil der Technik passte nicht drauf. Der Show merkte man das nicht an.

Nach einem guten Auftritt der österreichischen Vorband Wanda ("Bologna") spielten die Chemnitzer ein zweistündiges Konzert. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass Kraftklub bislang "nur" zwei reguläre Studioalben veröffentlicht haben. Und so spielten die Chemnitzer natürlich alle Hits ("Zu jung", "Ich will nicht nach Berlin", "Unsere Fans", "Songs für Liam"), die aktuelle Single ("Schüsse in die Luft") und mit Wanda gemeinsam den alten Punkrock-Klassiker "Blitzkrieg Bop" von den Ramones. Das war alles sehr konzentriert und gut auf den Punkt gebracht. Mit "Scheissindiedisko" wurde das Magdeburger Publikum schließlich in die Nacht verabschiedet.

Wirklich überragend war die Show. Da standen nicht nur irgendwelche weiteren Rockmusiker auf der Bühne, sondern Zeremonienmeister, denen das Publikum gehorchte. So wurden etwa riesige Konfettikanonen zu "Songs für Liam" gezündet, ein Um-die-Wette-Crowdsurfing veranstaltet, das Gitarrist Karl gewann, und Pyrotechnik bei "Schüsse in die Luft" gezündet. Absoluter Höhepunkt war das Stück"Deine Gang", das Kraftklub auf einer kleinen Bühne mitten im Publikum spielte. In dem Stück heißt es: "Denn keiner singt so laut wie meine Gang". Wohl wahr. An diesem Sonntagabend waren Kraftklub und mehr als 3000 Magdeburger eine Gang. Eine sehr laute Gang.

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