Peking/Abuja/Tikrit/Kairo (dpa/AFP/dr) l Extremisten aus der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina haben sich nach offiziellen chinesischen Angaben der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. "Jüngst haben wir welche geschnappt, die zurückgekommen sind, nachdem sie in dem Krieg gekämpft hatten", sagte der Parteichef der Region, Zhang Chunxian, am Dienstag am Rande der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking.

Es war das erste Mal, dass offizielle Stellen direkt über Aktivitäten von IS-Mitgliedern in China berichteten. Die Region des früheren Ostturkestans ist wegen der Spannungen zwischen der muslimischen Minderheit der Uiguren und den Chinesen seit langem ein Konfliktherd. Das Turkvolk beklagt Unterdrückung durch die chinesische Herrschaft. Seit einem Jahr gibt es eine Serie von Terroranschlägen, für die chinesische Behörden uigurische Extremisten und Separatisten verantwortlich machen.

Der IS beherrscht unter Führung des vor knapp einem Jahr selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Bagdadi weite Teile von Syrien und dem Irak. Die Gesamtfläche soll größer sein als die von Großbritannien.

Am vergangenen Wochenende hatte sich die nigerianische Terrororganisation Boko Haram per Treueschwur ebenfalls dem IS angeschlossen. Boko Haram terrorisiert seit 2009 den Nordosten Nigerias, um dort einen sogenannten Gottesstaat mit strengster Auslegung des islamischen Rechts zu gründen. Die Gruppe hat ihren Einfluss in dem ölreichen westafrikanischen Land und den Nachbarstaaten seither beständig ausgeweitet. Der Chef von Boko Haram, Abubakar Shekau, versprach dem Anführer des IS, al-Bagdadi, in einer verbreiteten Audiobotschaft die bedingungslose Gefolgschaft seiner Gruppe.

Mehr als eine Woche nach Beginn einer Großoffensive gegen die IS-Terrormiliz haben irakische Kräfte nach eigenen Angaben am Dienstag mit dem Sturm auf die Stadt Tikrit begonnen. Armee und schiitische Milizen griffen den IS aus drei verschiedenen Richtungen an, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Tikrit liegt an einer strategisch wichtigen Straße zwischen der Hauptstadt und der IS-Hochburg Mossul im Norden des Iraks. Mit der Großoffensive wollen irakische Kräfte die Stadt rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad wieder unter ihre Kontrolle bringen.

Vor Beginn des Sturms auf Tikrit hatten Armee und Schiiten-Milizen am Montagabend den nördlich der Stadt gelegenen Ort Al-Alam eingenommen. IS-Kämpfer hätten dort Gebäude sowie Geschäfte angezündet und seien aus Al-Alam geflohen, sagte ein Sicherheitsoffizieller.

Die Regierung hat für die Offensive nach eigenen Angaben 30 000 Mann mobilisiert. Der IS versucht, den Vormarsch mit Selbstmordattentätern und Sprengfallen aufzuhalten.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, hat in Kairo bei einer Besprechung mit Außenministern eine gemeinsame Eingreiftruppe der arabischen Staaten gegen die Ausbreitung der Dschihadisten gefordert. Sein Stellvertreter Ahmed Ben Helli hatte vergangene Woche gesagt, die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten würden bei ihrem Gipfel Ende März im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich über die Gründung einer schnellen Eingreiftruppe diskutieren. Meinung