Was treibt die Börsen an?

Geldschwemme: Die wichtigste Triebfeder des Börsenbooms ist die Geldflut der Notenbanken. Seit 9. März kauft die Europäische Zentralbank (EZB) monatlich Vermögenswerte in Höhe von 60 Milliarden Euro. Ein Großteil des vielen Geldes fließt in Aktien.

Anlagenotstand:Weil die EZB gleichzeitig den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt hat, herrscht Anlagenotstand: Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld und Anleihen bringen kaum Renditen. Das treibt Anleger in riskantere Investitionen wie Aktien, aber auch in Immobilien.

Euroschwäche: Der Euro ist durch die Geldpolitik auf Talfahrt. Die Exportwirtschaft profitiert, weil deutsche Waren im Ausland günstiger werden. Aktien internationaler Unternehmen profitieren.

Unternehmensgewinne: Deutschlands Börsenschwergewichte haben schon 2014 glänzend verdient - trotz internationaler Krisen. Nach einer Auswertung der Unternehmensberatung EY stieg der operative Gewinn der ersten 15 Dax-Konzerne, die Zahlen für 2014 vorlegten, um fast ein Viertel. (dpa)

Frankfurt/Main (dpa) l Lange ist`s her, seit die "Volksaktie" Telekom die Menschen in Scharen an die Börse lockte. Im Jahr 2001 zählte Deutschland fast 13 Millionen Aktionäre, heute halten nur noch 8,4 Millionen Deutsche Aktien oder Anteile an Aktienfonds. Börsianer hoffen, dass der jüngste Höhenflug des Dax Skeptiker überzeugt: Was spricht für, was gegen Aktien?

PRO:

lKursgewinne: Wer zum richtigen Zeitpunkt einsteigt, dessen Einsatz lohnt sich allein dank steigender Kurse. Wer zum Beispiel Anfang 1997 zur Rückkehr des Firmengründers Steve Jobs 1000 Dollar in Papiere des am Boden liegenden Computerbauers Apple steckte, ist heute mehr als 200 000 Dollar reicher. Apple ist inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt.

lDividenden: Viele Unternehmen beteiligen ihre Anteilseigner am Geschäftserfolg. Bei Europas größtem Versicherer Allianz fällt die Gewinnbeteiligung für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2014 besonders üppig aus: Der Münchner Dax-Konzern schüttet 6,85 Euro Dividende je Aktie aus.

lMiteigentümer: Wer Aktien kauft, kauft einen Unternehmensteil. Mit dem Geld werden neue Geschäftsideen oder der Ausbau des bestehenden Geschäfts finanziert.

KONTRA:

lAufs falsche Pferd setzen: Die "Volksaktie" Telekom startete im November 1996 bei 28,50 D-Mark (14,57 Euro) und kletterte bis März 2000 auf umgerechnet knapp über 100 Euro. Aktuell ist die T-Aktie noch gut 17 Euro wert. Fachleute raten ohnehin dazu, Geld nicht nur in einen Titel zu stecken, sondern möglichst breit zu investieren und die Aktien mehrerer Unternehmen ins Depot zu nehmen, um Schwankungen ausgleichen zu können.

lZum falschen Zeitpunkt einsteigen: Gerade Kleinanleger lassen sich oft von einem Börsenhype mitreißen und steigen ein, wenn die Kurse schon vergleichsweise hoch sind - etwa, weil dann viel darüber berichtet wird. Profi-Investoren machen dann längst schon wieder Kasse und sorgen durch Verkäufe dafür, dass die Kurse wieder sinken.

lGebühren: Börsenbetreiber und Banken verdienen beim Kauf und Verkauf von Aktien und Fondsanteilen mit. Verbraucherschützer kritisieren, die Gebührenstruktur sei bisweilen unübersichtlich - zulasten der Kunden.

lGeld langfristig gebunden: Wer Geld in Aktien oder Fonds steckt, sollte langen Atem haben. Experten raten dazu, über mehrere Jahre zu investieren, um Schwankungen auszugleichen. Das heißt aber auch: Diese Geld steht für andere Dinge längerfristig nicht zur Verfügung.

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