Berlin - Angesichts steigender Mieten sollen Arbeitslose, Alleinerziehende, Rentner und Geringverdiener mehr Wohngeld bekommen. Das Bundeskabinett brachte die erste Wohngeld-Reform seit 2009 auf den Weg.

Mit dem Entwurf von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) soll die Sozialleistung ab 2016 an die Entwicklung von Einkommen, Mieten und Nebenkosten angepasst werden. Bisher werden für das Wohngeld von Bund und Ländern 845 Millionen Euro ausgegeben - 2016 sind 1,43 Milliarden geplant. Auch die Empfängerzahl von 617 000 Haushalten soll durch die Reform auf rund 870 000 Haushalte steigen.

Die Höhe der Leistung wird sich nach Zahl der Haushaltsmitglieder, Gesamteinkommen und der Höhe der Miete richten. Sie kann je nach Mietniveau regional unterschiedlich ausfallen.

Der Zuschuss hängt immer vom Einzelfall ab - ein Zwei-Personen-Haushalt, der 2012 monatlich durchschnittlich 112 Euro Wohngeld bekam, erhalte künftig durchschnittlich 186 Euro, erklärt das Bundesbauministerium. Die sogenannten Tabellenwerte, die bei der Bemessung der Höhe auch die Nebenkosten berücksichtigen, sollen im Schnitt um 39 Prozent steigen.

Wohngeld muss bei den örtlichen Ämtern beantragt werden. Leistungen der Grundsicherung werden künftig damit verrechnet, Kindergeld und Kinderzuschlag nicht.

In Gegenden mit hohen Mieten sollen Empfänger besonders profitieren. Ursprünglich sollte die schon ab 2015 kommen, aber es kam zu Differenzen in der Bundesregierung - die von Hendricks parallel geplante Wiedereinführung des Heizkostenzuschusses kommt nun nicht. "Wohnen muss bezahlbar bleiben", sagte Hendricks. Mit der Reform würden mehr Menschen Wohngeld bekommen, für berechtigte Haushalte gebe es mehr Wohngeld. Linke und Grüne kritisierten, dass angesichts der Mietsteigerungen die Aufstockung zu gering sei.