Brüssel (dpa/AFP) l Das hoch verschuldete Griechenland hat zum Auftakt des EU-Gipfels in Brüssel tatkräftige Unterstützung der Europäer zur Überwindung seiner akuten Finanzprobleme gefordert. "Die EU braucht kühne politische Initiativen", sagte Ministerpräsident Alexis Tsipras am Donnerstag in Brüssel vor dem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen. Tsipras tritt für eine politische Lösung ein - er will also die ökonomischen Auflagen der Geldgeber aufweichen. Auch über die Krise in der Ukraine und die Energiepolitik der EU sprachen die Staats- und Regierungschefs.

GRIECHENLAND: Die Zeit wird knapp, weil Athen schon bald Milliarden braucht. Zudem wachsen Spannungen, weil die Gespräche über die weitere Zusammenarbeit mit der Ex-Troika der Geldgeber vorerst auf Eis liegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in Brüssel, sie rechne nicht mit einem raschen Durchbruch im griechischen Schuldendrama: "Erwarten Sie keine Lösung, erwarten Sie keinen Durchbruch." Athen müsse einen "Kraftakt" leisten, hatte sie zuvor in ihrer Regierungserklärung im Bundestag gesagt.

Am Donnerstagabend sollte im kleinen Kreis mit Deutschland, Frankreich, der EU-Kommission sowie der EZB eine Lösung gesucht werden. "Meine Intuition sagt mir, dass die Diskussion heute auf Gipfel-Ebene vielleicht ein bisschen zu heiß wäre", begründete EU-Gipfelchef Tusk dieses Format.

UKRAINE: Die im vergangenen Sommer verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland sollen beim EU-Gipfel an den Minsker Friedensplan für die Ukraine gekoppelt werden. Damit würden sie de facto bis Ende des Jahres verlängert. Kanzlerin Merkel sagte: "Wir können diese Sanktionen nicht aufheben, wenn nur erste Forderungen der Minsker Vereinbarungen erfüllt sind. Das wäre falsch." Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte: "Jede Entscheidung muss auf Basis der Situation vor Ort (...) und gebunden an die vollkommene Umsetzung des Minsker Abkommens getroffen werden." Das Minsker Abkommen für die Ostukraine vom 12. Februar sieht unter anderem vor, dass die von Moskau unterstützten Separatisten in der Ostukraine die Kontrolle der Grenzen wieder an die Regierung in Kiew abgeben. Die EU hat noch bis zum Sommer Zeit, um über die Verlängerung zu entscheiden.

ENERGIE: Ziel ist, die Gemeinschaft unabhängiger zu machen vom Öl- und Gaslieferanten Russland. Weitere Schwerpunkte sind das Energiesparen, eine bessere Vernetzung der nationalen Energiemärkte, verstärkter Klimaschutz und Forschung. Ein Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung, damit Energie freier fließen kann, etwa durch "Supernetze" genannte Hochspannungsfernleitungen. Meinung