Sommerkahl (dpa) l Hochsaison in den Eierfärbereien. Flinke Hände sammeln fast rund um die Uhr in der kleinen Halle im unterfränkischen Sommerkahl die noch warmen roten, gelben, blauen und grünen Eier ein und sortieren sie farblich auf Eierplatten. Wenn die Eier dort landen, haben sie ihren 40 Minuten langen Weg durch die Koch- und Färbemaschine bereits überstanden. Bereits zwei Tage nach Weihnachten hat für Burkhard Glaser das Ostergeschäft begonnen. Er besitzt die Eierfärberei, eine der ältesten in Deutschland. Im Jahr werden dort bis zu neun Millionen Eier bunt gefärbt.

Die Färbemaschine ist fast 30 Jahre alt und so zuverlässig wie eh und je: Rund 9000 Eier kocht und färbt sie Stunde um Stunde. "Vor drei Jahrzehnten war sie eine der ersten, die in Deutschland in Betrieb ging", sagt Glaser. Damals veränderte sich der Lebensmittelmarkt grundlegend. "Es wurden mehr Fertigmischungen und -gerichte genutzt; das schon fertig gekochte Ei wurde immer mehr von den Kunden gewünscht."

Der 52-Jährige wuselte schon als kleines Kind durch die Halle des Geflügelhofes. "Damals färbten wir noch klassisch mit Kochtopf und Farbwasser - allerdings vor allem für Familie, Freunde und ein paar wenige Kunden." Später wurde Glaser die rechte Hand des Chefs und ist mittlerweile selbst der Inhaber. Vor sechs Jahren hat er die Firma übernommen. Hühner leben nicht mehr auf dem Hof. Die Eier werden eingekauft. In Spitzenzeiten kullern täglich 180000 bunte Eier über die Förderbänder.

Dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft zufolge verbraucht jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich 210 bis 220 Eier - als Zutat in Kuchen, Keksen und Nudeln oder auch als Spiegel- und Frühstücksei. Wie viele davon gefärbt sind, geht aus der Statistik nicht hervor. Deutschlandweit legen die Hennen mehr als 12 Milliarden Eier im Jahr. Zusätzlich werden etwa 7,5 Milliarden Eier importiert.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutsches Ei gibt es etwa 20 kleinere und 10 große Eierfärbereien in Deutschland. "Früher warf die Eierfärberei deutlich mehr Gewinne ab", sagt Glaser. "Mittlerweile gibt es so viele Färbereien. Und teilweise arbeiten die mit Preisen, die wir als regionale Anbieter gar nicht mitgehen können."

Hinzu kämen die gestiegenen Kosten wegen des Mindestlohns. Vorher bekamen die Helfer 8,30 Euro, nun sind es 8,50 Euro pro Stunde. Auch Nebenkosten wie Energie, Verpackung und Transport seien nicht günstiger geworden. Das Entsorgen der kaputten Eier kostet zusätzlich, denn mittlerweile dürfen sie nicht mehr an Schweine verfüttert werden.

Bei den Inhabern der Eierfärbereien sind meist mehrere Standbeine nötig. Glaser liefert auch Nudeln in 20 Sorten und Weihnachtsgänse.