Der Kurden-Konflikt
Die Türkei, die Europäische Union und die USA stufen die PKK als Terrororganisation ein. PKK-Führer Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 in der Türkei in Haft. Das Hauptquartier der Organisation liegt in den irakischen Kandil-Bergen.

Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühen sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe. Im September setzte sie den Abzug ihrer Kämpfer aus der Türkei allerdings aus, weil sie mangelndes Entgegenkommen der türkischen Regierung beklagte.

Gefährdet wurde der Friedensprozess zuletzt von den Kämpfen um die syrisch-kurdische Stadt Kobane. Dort stellten sich PKK-nahe Kurden-Einheiten 2014 der Terrormiliz IS entgegen. Im Oktober kamen bei Demonstrationen für den Schutz Kobanes im kurdisch geprägten Südosten der Türkei mehr als 40 Menschen ums Leben.

Etwa 24 Millionen Kurden leben über die Türkei, Irak, Iran und Syrien verteilt. In der Türkei sind 18 Prozent der Bevölkerung Kurden. (dpa)

Ankara (dpa) | Trotz aller Rückschläge im Versöhnungsprozess mit der türkischen Regierung hat der inhaftierte Vorsitzende der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, seine Anhänger zum Frieden aufgerufen. Es sei an der Zeit, die grausame und zerstörerische Geschichte zu beenden und eine Ära des Friedens, der Brüderlichkeit und der Demokratie zu beginnen, teilte Öcalan am Samstag in einer zum kurdischen Neujahrsfest Newroz in Diyarbakir verlesenen Botschaft mit.

Hunderttausende nahmen an den Feierlichkeiten in der Kurdenmetropole teil. Auch der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu rief zum kurdischen Neujahrsfest zu Frieden auf.

Der gewaltsame Konflikt zwischen PKK und türkischer Regierung dauert seit 30 Jahren an. Dabei kamen bislang rund 40000 Menschen ums Leben. Die PKK und die Regierungspartei AKP bemühen sich um einen Friedensprozess, der allerdings immer wieder ins Stocken gerät (siehe Kasten).

Öcalan hatte die PKK schon Ende Februar dazu aufgefordert, einen Kongress einzuberufen und zu beschließen, die Waffen unter bestimmten Voraussetzungen niederzulegen. Die Kurden fordern etwa mehr regionale Selbstbestimmung. In seiner Newroz-Botschaft bekräftigte Öcalan seinen Wunsch, den bewaffneten Kampf zu beenden. Mit dem Kongress werde eine "neue Ära" beginnen, erklärte er.

Ministerpräsident Davutoglu zeigte sich zuversichtlich. Der Friedensprozess werde erfolgreich sein, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag in Istanbul. "Nun lasst uns nur die Sprache der Verhandlung sprechen. Lasst uns den Hass, die Kultur des Hasses, die Gewalt und die Waffen für immer im Boden begraben", sagte Davutoglu.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte schon vor der Newroz-Botschaft Öcalans gesagt, dass er auf eine Umsetzung der Waffenniederlegung warte. "Eine Realisierung ist erforderlich", sagte er nach Angaben der Zeitung "Yeni Safak" am Sonnabendmorgen vor Journalisten. Die Idee eines Aufsichts-Gremiums, das den Friedensprozess begleiten soll, halte er jedoch für falsch. Erdogan hatte bislang eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen mit den Kurden gespielt.