Phoenix (dpa/vs) | Amerikanische Wissenschaftler gehen auf Schatzsuche in Klärwerken. Im Abwasser könnte nach ihrer Einschätzung Edelmetall im Millionenwert verborgen sein. Ein neues Studienprojekt soll Klarheit darüber bringen, wie lukrativ es tatsächlich ist, Gold und Silber zu bergen. Wegen der Edelmetalle, die als Industrieabfall ins Abwasser geraten, könnte sich der Klärschlamm als Millionengeschäft entpuppen.

Bereits im Januar veröffentlichte die Arizona State University eine Studie mit erstaunlichen Ergebnissen: Anhand von Stichproben aus Wiederaufbereitungsanlagen kamen die Wissenschaftler zu der Annahme, dass jede Tonne Klärschlamm Edelmetalle wie Gold, Silber, Kupfer oder Platin im Wert von 280 Dollar (258 Euro) birgt. Hochgerechnet auf eine Großstadt mit einer Million Einwohnern wären das 13 Millionen Dollar. Einer Stadt wie Magdeburg brächte das immerhin Mehreinnahmen von 2,75 Millionen Euro.

"Wir hatten erwartet, dass die Metalle in geringer Konzentration vorhanden sein würden", sagte Studien-Koautor Pierre Herckes. Der hohe Wert sei eine Überraschung gewesen. Jetzt will eine Gruppe von Forschern um die Geologie-Professorin Kathleen Smith aus Lakewood im US-Bundesstaat Colorado der Sache weiter auf den Grund gehen.

Niveau eines Erzlagers

"Es gibt überall Metalle", sagt Smith. "In Haarprodukten, Waschmitteln, sogar in Nanopartikeln in den Socken, die schlechten Gerüchen vorbeugen sollen." Auf diese Weise könnten die Metalle in den Abfluss geraten.

Smith will herausfinden, ob es sich lohnt, Abwasser systematisch nach Edelmetallen zu filtern. Die ersten Forschungserkenntnisse, die auf dem Jahrestreffen der American Chemical Society ACS in Denver im US-Bundesstaat Colorado vorgestellt wurden, waren vielversprechend. "Das Gold, das wir gefunden haben, bewegte sich auf dem Mindestniveau eines Erzlagers", sagt Smith. Soll heißen: Wäre der Klärschlamm Gestein, würde sich der Abbau lohnen.