Der traditionsreiche Magdeburger Maschinenbauer Vakoma ist in Bedrängnis geraten. Der geschäftsführende Gesellschafter Gerhard Krossing beantwortet Fragen von Redakteur Martin Rieß.

Volksstimme: Wie ist der aktuelle Stand?
Gerhard Krossing: Für eines der drei Unternehmen - die VAKOMA Production GmbH - ist ein Insolvenzantrag gestellt. Dieses Unternehmen ist auf die Produktion von Groß- und Sondergetrieben spezialisiert. Die VAKOMA GmbH als Spezialist für Vakuum- und Drucklufttechnik und die VAKOMA Trade GmbH als Vertriebsspezialist sind hingegen nicht betroffen.

Ganz klar möchte ich aber auch sagen: Ein Insolvenzverfahren ist noch nicht eingeleitet, es ist ein Antrag gestellt. Der Geschäftsbetrieb läuft selbstverständlich weiter. Wir arbeiten nach wie vor alle Aufträge ab, die wir haben und nehmen auch neue Aufträge an. Für unsere Kunden besteht kein Risiko. Wir sind derzeit ohne Zweifel in einer sehr schwierigen Situation - wir müssen uns aber auf die damit verbundenen Chancen konzentrieren.

Wie könnten diese Chancen denn aussehen?
Wir haben eine Reihe von sehr hoffnungsvollen Gesprächen mit neuen Kunden aus Deutschland und Europa, die an unseren Eigenentwicklungen interessiert sind.

Zudem übernehmen wir auch Lohnfertigungsaufträge für verschiedene Kunden aus der Region. Unseren Servicebereich für Montage, Wartung und Instandsetzung von Antriebsanlagen verschiedener Hersteller bauen wir sukzessive aus. Weiterhin bieten wir die Nutzung unseres Lastprüfstandes, auf dem Getriebe bis 60 Tonnen mit modernster Technik überprüft werden können, für andere Maschinenbauer an.

"Die Politiker dürfen nicht so blauäugig sein und denken, dass die russische Politik auf Sanktionen nicht reagieren würde."

Unternehmen, die uns und damit unsere Region unterstützen wollen, können uns sehr gern mit Projekten im Maschinenbau beauftragen.

Vor anderthalb Jahren galt Vakoma noch als Leuchtturm der sachsen-anhaltischen Wirtschaft.
Mit einzigartigen und selbstentwickelten Produkten bilden wir genau das ab, was viele Kunden im Ausland suchen. Unsere Exportquote der letzten Jahre von bis zu 90 Prozent kam nicht von ungefähr. Und ich möchte auch so weit gehen: Diese positiven Aspekte gelten nach wie vor.

Wie konnte es dennoch dazu kommen, dass der Vakoma-Umsatz eingebrochen ist?
Das ist eine klare Folge politischer Entscheidungen. Die Politiker der EU dürfen nicht so blauäugig sein und denken, dass die russische Politik und die russische Wirtschaft auf die EU-Sanktionen nicht entsprechend reagieren würden.

Ein Beispiel: Wir hatten einen Auftrag über sechs maßgefertigte Antriebsanlagen für ein russisches Mühlenwerk im Umfang von 1,7 Millionen Euro schon in der Tasche. Nachdem die EU Sanktionen verhängt hat, gab es von der russischen Regierung ein Dekret, dass aus dem Ausland keine Baumaschinen mehr eingeführt werden dürfen.

Klar, unsere Anlagen haben nichts mit Baumaschinen zu tun, aber das Signal an die russische Wirtschaft war damit klar, Einfuhren aus Europa sollen unterbunden werden. Dieses Signal und die damit verbundene Verunsicherung unseres russischen Kunden, ob noch weitere Einfuhrverbote folgen werden, in Verbindung mit dem Einbruch des Rubelkurses haben dazu geführt, dass der Vertrag Anfang Februar geplatzt ist.

Was können Sie dagegen unternehmen?
Gegen den Rubelkurs und Einfuhrverbote, auch wenn Sie unsere Produkte nicht betreffen, leider nichts. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, neue Märkte und Kunden, abseits von Russland, zu akquirieren. Aber den Kontakt mit den Märkten der ehemaligen Sowjetrepubliken werden wir dennoch aufrechterhalten, denn der Bedarf der Kunden besteht weiterhin und unsere Produkte sind am Markt etabliert.

Ich hoffe aktuell auch auf Aufträge aus Kasachstan von der dortigen Heidelberg-Zement-Tochter. Dennoch trifft uns die aktuelle politische Situation und die daraus resultierenden Folgen sehr hart. Auf Kosten der Unternehmen und unserer Arbeitsplätze wird eine Marktbereinigung betrieben.

"Wir sind - gerade als wir Millionen Euro investiert haben, um das Wachstum aufrechtzuerhalten - ausgebremst worden."

Die EU rollt den Konkurrenten aus Fernost quasi den roten Teppich aus. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass es keine Maschinenbauer in anderen Teilen der Welt gebe, die jetzt nicht ihre Chance wittern?
Aus politischen Gründen - um die sich in all den Jahren zuvor kaum jemand gekümmert hat - wird hier die Rechtssicherheit für europäische Unternehmen zerstört und Unternehmen werden aufgrund politischer Spiele enteignet.

Aus Ihrer Sicht hat also die Politik die Folgen Ihres Handelns nicht berücksichtigt?
Ja, zumindest wurde nicht genug an die Folgen für deutsche und europäische Unternehmen und deren Arbeitnehmer gedacht.

Was erwarten Sie denn jetzt von der Politik?
Auf keinen Fall dürfen die Einbrüche im Geschäft mit Russland, wie jüngst, als zu vernachlässigende Größe abgetan werden. Da hängen Existenzen von vielen Arbeitnehmern und Unternehmen dran!

Und wenn Sanktionen wirklich der einzig gangbare politische Weg sein sollten, dann muss es für Industriebetriebe auch Unterstützung geben, so wie es dies für die Automobilindustrie mit der Abwrackprämie vor wenigen Jahren gab und wie es in der Agrarwirtschaft gang und gäbe ist.

Trifft Vakoma mit einer Konzentration von 60 bis 80 Prozent nicht dennoch selbst ein wenig die Schuld?
Als wir 2012 beschlossen haben zu expandieren, hat keiner der Geldgeber in der Politik und in der Wirtschaftsberatung diese Entwicklung absehen können. 2013 war sogar unser umsatzstärkstes Jahr in der Firmengeschichte. Wir sind - gerade als wir Millionen Euro investiert haben, um das Wachstum aufrechtzuerhalten - ausgebremst worden.

Die Erschließung neuer Märkten steht seit geraumer Zeit auf unserer Agenda - wir müssen diesen Prozess jetzt nur sehr viel schneller und unter ungleich schwierigeren Bedingungen meistern. Wie gesagt - daran arbeiten wir.

Mit Blick auf bereits neu gewonnene namhafte Kunden in Deutschland und mit hoffnungsvollen Kontakten in den arabischen und in den südamerikanischen Raum sehe ich gute Chancen für Vakoma, die Krise zu meistern.

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