Bielefeld (dpa) l Schwarzer Tag für Thomas Middelhoff: Der frühere Topmanager hat am Dienstag beim Amtsgericht Bielefeld Privatinsolvenz beantragt. Middelhoffs Rechtsanwalt Hartmut Fromm begründete den Schritt damit, dass sein Mandant zurzeit nicht in der Lage sei, "eine fällige Einkommenssteuerforderung der Finanzverwaltung zu erfüllen". Eine Klage gegen diese Forderung sei zwar anhängig, eine Aussetzung der Vollziehung sei jedoch abgelehnt worden. Außerdem werde nach wie vor ein großer Teil des Vermögens des Managers von seiner ehemaligen Hausbank blockiert. Hintergrund sind umstrittene Gegenforderungen der Bank. Deshalb und wegen seiner durch seine Inhaftierung erzwungenen wirtschaftlichen Handlungsunfähigkeit habe sich der Manager entschieden, "einen Antrag auf Privatinsolvenz zu stellen".

Der frühere Chef des inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor war am 14. November vom Essener Landgericht wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und noch im Gerichtssaal verhaftet worden.

Die finanzielle Situation des Managers hatte schon den Prozess gegen Middelhoff überschattet. Die Forderungen gegen ihn gehen in einen mehrstelligen Millionenbereich: Der Unternehmensberater Roland Berger verlangt von Middelhoff 7,5 Millionen Euro, sein früherer Vermögensverwalter Josef Esch 2,5 Millionen Euro, der Arcandor-Insolvenzverwalter 3,4 Millionen Euro und die Bank Sal. Oppenheim ca. 70 Millionen Euro. Umgekehrt verlangt Middelhoff über 200 Millionen Euro. Bergers Rechtsanwalt Claus Thiery zeigte sich zufrieden: "Wir begrüßen, dass sich die Gläubiger nunmehr in einem geordneten Verfahren befinden und die Vermögenssituation von Herrn Middelhoff durch den Insolvenzverwalter vollumfänglich aufgeklärt werden wird."