Magdeburg l Auf der Bühne tutet, schnauft und dampft eine Lok. Es ist der Gipfelstürmer-Express, aus dessen Schornstein es raucht und qualmt. "Lass uns bis zum Gipfel gehn" singt Der Graf, Frontmann und Texter. Blauer Himmel, weiße Wolken, endlose Weiten werden auf Videowänden in die Halle getragen. Und immer wieder vor den Augen der Fans Berge, Berge, Berge.

Gipfel und Weite, Himmel und Wolken

Der Graf singt von den Anstrengungen, hinaufzusteigen und dass jeder von uns seinen Berg hat. Und er geht der Frage nach: Was treibt einen an, immer weiter hinaufzugehen? "Ist es der Applaus?", fragt er singend. Der begleitet den Grafen und seine Band den zweistündigen Abend. Der Mann in Schwarz-Weiß, immer wieder auch im Gehrock, genießt. Für ihn naht das Bühnen-Ende -in kleinen Schritten. "Gipfelstürmer" ist die (fast komplett ausverkaufte) Tour vor dem Abschied. Bis Ende Mai wird mit der Lok auf der Bühne und dem Sturm auf die Gipfel getourt, dann folgen einige Open Airs und im Oktober dann die endgültigen Tschüss-Konzerte.

Doch jetzt erst noch die Gipfel. Der Graf breitet die Arme aus. Wie mit Flügeln steht er da auf der Bühne, vor den Kerzen, vor den gelben Lichteraugen der Lok. Hinter ihm gleitet ein stolzer Adler über die Höhen der Berge. "Ich habe geträumt, ich kann fliegen", trägt Der Graf in die Halle. Und 6000 Menschen träumen mit ihm. Sie singen laut oder leise oder summend mit. Seine Fans sind eins mit den Unheilig- Liedern, den Texten um Sehnsüchte des Menschen, um Liebe und Glück und ja, da sind sie wieder, die Berge, die jeder im Leben vor sich hat, mal größer, mal kleiner. Unterm Getec-Hallendach ertönt die Liedzeile: "Jeder geht seinen Berg hinauf."

Wieder Gipfel und Weite, Himmel und Wolken. Der Graf schreitet dem Horizont entgegen - singend auf der Bühne und bildlich auf den Videoeinspielungen. "Die Welt strahlt vor Glück", haucht er ins Mikrofon. Vor ihm ist dieses Strahlen auf 6000 Gesichtern. "Oh, wie ist das schön", singt die Fangemeinde. Der Graf breitet die Arme aus. Er saugt die Atmosphäre auf. "Danke schön" ruft er ins Rund. "Bitte schön", schallt es ihm tausendfach entgegen.

Danke schön und Bitte schön

Vom neuen "Gipfelstürmer"-Song geht es über zu den vielverkauften Unheilig-Klassikern. "Unter dieser Flagge", ein Lied für seine Mutter und eine wahre Liebeserklärung an die Mütter dieser Welt, Großstadt-Horizonte in "Lichter dieser Stadt". Verneigung, Applaus. Dem "Dankeschön" folgt das "Bitteschön". Dann natürlich der Erfolgstitel "Große Freiheit". Die Bühne taucht in gelbes und rotes Licht. Im Hintergrund das weite Meer, das eins zu werden scheint mit den Bewegungen Tausender Arme. Die Hände gehen von links nach rechts, von rechts nach links - wie ein großes, bewegtes Meer.

Auf der Seitenbühne ein Solo mit Flügel. Spot an für "Geboren um zu leben". Später kommt die Band dazu, kraftvoll wird`s und lauter. Die Scheinwerfer strahlen wie Sterne. "Dankeschön." "Bitteschön." Alle wollen den Titel noch einmal singen. Der Graf stimmt noch einmal an, die Band setzt ein.

Ausfallschritt, Wackelhintern, Hüftschwünge. "Habt Ihr immer noch Energie?" Welche Frage! Das Publikum tanzt und bewegt sich und singt und winkt. Es ist Der Graf, der immer wieder hinter der großen Lok verschwindet. Auszeiten, die mit Videosequenzen überbrückt werden. Gipfel, Weite, Himmel fürs Publikum.

Die Erklärung des schweren Schrittes

Das Konzertende naht. Der Graf kniet auf der Bühne. Er verneigt sich. Und erklärt den schweren Schritt, trotz des Erfolges aufzuhören. "Wenn du deinen Traum lebst, was bringt es Dir, wenn die Menschen, die du liebst, zu Hause sind. Es gibt viele, die uns verstehen." Es gibt lautstark Beifall. Das angereiste Publikum in Magdeburg versteht die Entscheidung auch.

Der musikalische Abschied dauert einige Monate. Weil man sich in Ruhe voneinander verabschieden wolle, sagt der Frontmann. Dann stimmt er ein in "Zeit zu gehen" und besingt, dass er und seine Band die Fans im Herzen tragen werden. "Es ist Zeit zu gehen / Wir danken Euch für all die Jahre / Auch wenn es weh tut / Ist es Zeit für uns zu gehen / Wenn es am schönsten ist."

Der Graf geht von der Bühne. Er winkt. Lebewohl, tschüss. Ein Konzert in Magdeburg ist nicht mehr geplant.