Hamburg - Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland haben angesichts der Sterbehilfedebatte einen würde- und liebevollen Umgang mit todkranken Menschen gefordert.

"In Würde sterben zu dürfen, heißt eben nicht, alle Optionen zu haben, um sich jederzeit selbst töten zu können", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag in Hamburg zum Auftakt der "Woche für das Leben". Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ergänzte, die Angst vor Leid und Tod nehme in der Gesellschaft zu - und so die Attraktivität von Sterbehilfevereinen.

Die beiden Geistlichen eröffneten die bundesweite Woche mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen. Seit mehr als 20 Jahren befasst sich die gemeinsame Aktion der beiden Kirchen mit dem Schutz und der Würde des Menschen. "Sterben in Würde" lautet das Thema in diesem Jahr. Im Mittelpunkt steht die gesellschaftliche und politische Debatte zur Sterbehilfe und zum Umgang mit schwer kranken und sterbenden Menschen.

Laut Marx gehören Tod und Sterben für die meisten Menschen nicht mehr zur Erfahrungswelt, sondern sind eine Angelegenheit von Spezialisten geworden: "Was ist das für ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, in der die Möglichkeit zur Selbsttötung bloß zu einer weiteren Option unter vielen wird." Alte, schwache und schwer kranke Menschen verdienten besondere Zuwendung. "Und nicht den Giftbecher. Wir brauchen keine Ärzte, die töten."

Im Herbst will der Bundestag über eine Neuregelung der Sterbehilfe entscheiden. Marx sagte, die Kirchen hätten nie gefordert, Menschen unter allen Umständen am Leben zu erhalten. Doch sei gerade die Palliativversorgung eine "hervorragende Möglichkeit, Schwerkranke auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten".

Auch der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm sprach von einer Verdrängung des Themas Sterben. Der Tod werde "immer mehr aus unserem Leben herausgehalten", kritisierte er. "Totenwache, Aussegnung, Abschied am Totenbett sind die Ausnahme geworden." Wichtig sei, "dass wir eine Kultur des Sterbens entwickeln, die nicht länger von der Angst geleitet ist, sondern in der die Liebe Raum gewinnt".