Nachtschwärmer auf MS "Marco Polo"

Kooperation
Seit Juni 2009 gibt es das Theaterschiff Magdeburg. Dazu hat sich die Schönebecker Reederei Süßenbach mit der Musik-Theatergruppe "Die Nachtschwärmer" zusammen getan.

Platzangebot
Das Theaterschiff, die MS "Marco Polo" bietet Raum für bis zu 80 Passagiere. Alle Gäste nehmen an Tischen mit freier Sicht auf die Spielstätte Platz. Die Vorstellung findet während einer Fahrt auf der Elbe statt. Es wird ein Drei-Gänge-Menü serviert.

Start in die Spielzeit
Am Freitag startet das Theaterschiff mit "Strandgut-Bar 3/28" in die neue Spielzeit (Das Stück gibt es auch am 25. April, am 8. und 22. Mai, am 5. und 19. Juni und am 3. Juli.)

Magdeburg l Auf dem einzigen fahrenden Theaterschiff Sachsen-Anhalts laufen die Proben für eine neue Inszenierung. Am kommenden Freitag findet dort die Premiere für "Strandgut-Bar 3/28" statt. Klaus-Peter Voigt sprach mit den Akteuren Oliver Vogt, Ulrike Nocker und Matthias Krizek sowie Regisseur Knut Müller-Ehrecke.

Volksstimme: Die Bretter, die die Welt bedeuten, und Schiffsplanken sind eine Ehe eingegangen. Es scheint so, als ob das Konzept funktioniert.
Oliver Vogt: Am Wochenende starten wir bereits in die siebente Saison. Unser 15. Programm auf dem Wasser ist dann auf der MS "Marco Polo" zu sehen. Dies wird bestimmt kein verflixtes siebtes Jahr. Da sind wir optimistisch. Mit knapp einem Dutzend Vorstellungen begann das ganze Projekt, in diesem Jahr planen wir zwischen April und Dezember gemeinsam mit der Reederei Süßenbach mindestens 45.

Wie kommt man auf die Idee, auf der Elbe Theater zu machen?
Ulrike Nocker: Aus der Not heraus. Ursprünglich traten wir alle in unterschiedlichen Konstellationen in der Magdeburger Kulturkneipe Waschfass auf. Als die vor der Schließung stand, begann die Suche nach Alternativen. Mit unserer Dreierband war gerade das erste gemeinsame Programm aus der Taufe gehoben worden. Ein kleines Jazzkonzert auf der "Marco Polo" fiel in diese Zeit und nach dem Auftritt waren wir uns mit dem Reeder einig, das Experiment zu starten. Und so ging es Mitte 2009 los.

Völlig problemlos? Schließlich ist ein "Kahn" keine Bühne im klassischen Sinn.
Matthias Krizek: Stimmt, aber alle wollten, zogen an einem Strang. Wenn es in der Anfangszeit wirklich einmal Probleme gab, wurden die fast familiär gelöst. Es ging stets um die Sache. Und dieses Familiäre gehört bis heute auf dem Theaterschiff dazu. Dass wir als Akteure unser Publikum zu jeder Vorstellung begrüßen, gehört dazu. Wo kann man in den Pausen und nach der Vorstellung schon mit den Künstlern so locker und unkompliziert ins Gespräch kommen wie auf Deck. Ich glaube, das ist ein Teil unseres Erfolgs.

Ulrike Nocker: War es am Anfang beispielsweise nicht ganz einfach, irgendwo an Bord für unsere Dekoration auch nur einen Nagel einzuschlagen, dann hilft der Käpt´n mit seiner Crew heute ganz selbstverständlich dabei, die Kulissen zu gestalten.

Kein Schutz vor dem Zuschauer und agieren in alle Richtungen. Erscheint da ein Schiff als Theater nicht als Herausforderung?
Oliver Vogt: Eine solche Raumbühne bringt anfänglich Mühen mit sich. Aber ich denke, mittlerweile klappt das ganz passabel. Wir sind ganz nah an den den Gästen. Das hat auch etwas Reizvolles, Spannendes. Dennoch sind wir kein Mitmachtheater.

Matthias Krizek: Die Vorstellung auf dem fahrenden Schiff lässt durchaus den einen oder anderen Gast für kurze Zeit auf den Dom oder auf das Elbufer schauen. An solche kurzen Ablenkungen haben wir uns gewöhnt.

Zum 14. Mal führt Knut Müller-Ehrecke Regie. Wie würden Sie die Programme definieren, Herr Müller-Ehrecke? Kleinkunst?
Knut Müller-Ehrecke: Erwischt. Wir suchen immer noch nach der passenden Definition für diese Mischung von Chanson bis Rock, aus bekannten Titeln, die manchmal für uns umgeschrieben sind, und Texten. Wert legen wir auf Deutsch, ein englisches Lied wird es nun zum ersten Mal zu hören geben. Ein Nachtschwärmer-Programm hieß "Songbankett". Vielleicht trifft es das, zumal während der vierstündigen Fahrt ein Drei-Gänge-Menü serviert wird. Ach so, und es ist zur Tradition geworden, dass der Smutje dann und wann auftritt. Auch die restliche Mannschaft übernimmt die eine oder andere Szene, in der Pause plaudert der Käpt´n über die Schifffahrt.

Noch kurz ein paar Informationen zum neuen Programm ...
Matthias Krizek: Gern. "Strandgut-Bar 3/28" bezieht sich auf den Anleger der "Marco Polo" am Elbkilometer 328. In dieses Etablissement laden wir ein. Gleich zu Beginn des Abend wird uns klar: Das alte Stammlokal gehört jetzt uns. Eine Erbschaft des ehemaligen Wirts, die auf Vordermann gebracht werden muss.

Oliver Vogt: Wenn das gelingt, machen wir uns noch an zwei neue Programme für 2015. Im Sommer heißt es "Kajütenkoller - Treibsand in der Takelage" und zum Jahresende gibt es das siebente Weihnachtsspektakel.

www.theaterschiff-magdeburg.com