Kathmandu/Klötze l Zerstörte Häuser und Straßen, überall obdachlose Menschen. Die Klötzerin Daniela Jährig fuhr gerade mit einem Auto nach Kathmandu, als in Nepals Hauptstadt die Erde bebte. Der Volksstimme berichtet sie von Minuten der Angst und den Tagen nach der Katastrophe.

Ein Bild des Grauens bietet sich derzeit in den Straßen von Nepals Hauptstadt Kathmandu. "90 Prozent der Häuser sind bei dem Erdbeben zerstört worden", beschreibt Daniela Jährig gestern am Telefon. "Hunderte Menschen liefen schreiend auf die Straßen. Wir wussten im ersten Moment gar nicht, was geschah. Der Boden unter uns vibrierte, Wände wackelten, Häuser fielen in sich zusammen." Große Gesteinsbrocken krachten um sie herum auf die Straße. Daniela Jährig und ihr Lebensgefährte Steffen Schöley kämpften sich nach Kathmandu durch. "Wir hatten große Angst", erinnert sie sich. Telefonnetz und Internet funktionierten nicht. Alles war zusammengebrochen. "Die Menschen sind wie gelähmt. Aus Angst vor Nachbeben schlafen sie in Zelten", erzählt die Klötzerin.

Die wenigen noch erhaltenen Geschäfte haben geschlossen. Es gibt keine Lebensmittel, kaum sauberes Wasser. Die Menschen können sich nicht das Nötigste zum Leben kaufen. Strom fließt nur in kurzen Phasen und ist den Krankenhäusern vorbehalten.

Die Zufahrtswege in entfernte Erdbebengebiete sind blockiert und von Hilfsmannschaften nur schwer zu erreichen. Daniela Jährig und Steffen Schöley haben selbst vor sechs Jahren den Verein "Lischa" gegründet und leben seitdem in Nepal. Mit Spenden aus Deutschland unterstützten sie den Bau einer Schule, ermöglichen Mädchen den Schulbesuch und helfen Bedürftigen beim Aufbau einer bescheidenen Existenz. In ihrer Projektregion südlich von Kathmandu ist die Situation ebenfalls verheerend. Auch dort sind zahlreiche Häuser eingestürzt und die meisten Familien obdachlos. "Unser Schulgebäude ist erdbebensicher gebaut und steht noch", freut sich Daniela Jährig. Ein Team aus einheimischen Mitarbeitern baut in den höhergelegenen Gebieten Notunterkünfte auf. "Eine große Katastrophe ist deshalb jetzt das Unwetter", sagt Jährig. Starkregen und Sturmböen mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde toben über dem Erdbebengebiet. Hilfstransporte mussten verschoben werden.

Daniela Jährig und Steffen Schöley koordinieren derzeit die Hilfe für ihre Projektregion von Kathmandu aus. "Am dringendsten werden Zelte benötigt, Kochtöpfe, Kocher, Decken, Bekleidung und haltbare Lebensmittel", sagt Jährig. "Einfach alles, was die Menschen hier zum Leben brauchen, gibt es nicht mehr."