Kaya Yanar tritt am 10. Mai ab 20 Uhr in der Stadthalle Magdeburg auf.

Kaya Yanar legt mit dem Live-Programm "Around The World" seine Sicht auf die Welt dar. Vor seinem Auftritt in Magdeburg am 10. Mai hat Grit Warnat mit dem Comedian übers Reisen, Integration und sein Spiel mit Vorurteilen gesprochen.

Wenn Kaya eine Reise tut ... ist Ihr Programm untertitelt. Was erleben Sie alles, dass es für ein Bühnenprogramm reicht?
Es sind sicher Dinge, die allen auffallen, aber ich kann sie in eine unterhaltsame Nummer gießen. Zum Beispiel die Sprache. Die Kroaten benutzen beim Reden kaum Vokale, dann nehme ich mir Wörter vor, in denen nur Konsonanten vorkommen und stricke daraus eine witzige Nummer. Oder Türkisch mit den vielen Ü. Ich höre viel hin, überall gibt es Sprache auf lustig.

Skurrile Dinge ziehen Sie aber auch magisch an.
Irgendwie ja. In New York habe ich mich fast mit einem New Yorker geprügelt, weil die per se etwas neurotisch sind. Im Nationalpark in Kanada habe ich Regeln zu Sicherheitsvorkehrungen bekommen, die total absurd sind. Man soll niemals einen Bären aufwecken, niemals wegrennen, erst recht nicht mit ihm reden, wenn er einen aufessen will.

Der Bär wird in Ihrem Programm auftauchen?
Ja, diese Geschichte bietet sich natürlich an. Grizzly und Panda sind dabei und natürlich Schweizer, Holländer, Italiener, Neuseeländer, Japaner. In der Türkei habe ich eine Schlacht am Buffet mit Russen erlebt, die ein Nebenbuffet aufgebaut haben. Das anzusehen, war schon sehr skurril. So etwas muss ich aufspießen.

Wie kommen Ihre Witze in den Ländern an?
Ich trete ja nicht in Indien, Russland oder Holland mit meinem Programm auf. Aber wenn ich unterwegs bin und Inder kopfwackelnd vor mir stehen, lächele ich einfach, dann lächeln alle zurück. Ich gehe nicht mit Skepsis auf Menschen zu, sondern mit einer gewissen Form von Humor. Lächeln ist dabei eine gute Form der Kommunikation.

Wie schwer ist der Spagat zwischen lachen und verletzen?
Der ist gar nicht so schwer, wenn man eine gewisse Sensibilität und Erfahrung mitbringt. Beides spielt eine große Rolle. Ich kenne viele Befindlichkeiten und habe in 20 Jahren einen inneren Kompass dafür entwickelt. Dieser Kompass sagt mir, wie weit ich gehen kann und wie ich etwas sage.

Bekannt geworden sind Sie 2001 mit der Comedy-Sendung "Was guckst du?!". Sie spielten damals schon mit Klischees und Vorurteilen. Hätten Sie das auch machen können ohne Ihren türkischen Migrationshintergrund?
Ich denke, damals wäre das schwer gewesen. Man hat den Migrationshintergrund sozusagen als Legitimation für das Programm genommen, heute reicht das nicht mehr. Der Pass und die Herkunft sagen nichts über gute Comedy aus. Ich finde, solche Witze müssen wohlwollend gemeint sein, mit ihnen soll man pieksen, nicht stechen. Die Humorfarbe ist wichtiger als die Herkunft des Comedians.

Sie sind Sohn türkisch-arabischer Einwanderer. Von Medien wurden Sie als Paradebeispiel für erfolgreiche Integration bezeichnet. Wie sehen Sie das?
Ich bin ein Teil der Gesellschaft und fühle mich auch so. In alles habe ich mich aber nicht integrieren können: deutsche Volksmusik verstehe ich bis heute nicht. Ich denke aber, dass man für eine gute Integration nicht erin bekannter Komiker sein muss. Auf mich schaut man sicher eher, obwohl ich einen deutschen Pass habe. Es gibt eine ganze Menge Ausländer, die sind gut integriert. Sie leben aber eine stille Integration. Von ihnen hört man wenig.

Auf Ihren Reisen begegnen Ihnen Religionen. Wie spiegeln Sie das Thema wider?
Meine Mutter ist Muslima, mein Bruder war bei den Katholiken, mein Vater Atheist. Das war schon eine eigentümliche Konstellation in unserer Familie, aber dadurch habe ich einen guten, gesunden Abstand zu Religion. Ich unterscheide Menschen nie nach ihrer Religion. Und weil Religion für mich keine große Rolle spielt, findet sie in meiner Comedy auch nicht weiter statt.

Wurden Sie schon einmal bedroht?
Ernsthafte Bedrohung? Nein. Klar gibt es Leute, die meine Comedy nicht so witzig finden. Ich bin Komiker und ziemlich harmlos mit meinem Einfluss auf die Gesellschaft. Ich will unterhalten.

Jetzt unterhalten Sie mit Reiseabenteuern. Sie reisen gern?
Ja, sehr.

Wohin werden Ihre nächsten Reisen gehen?
Ich war noch nie auf dem afrikanischen Kontinent. In Russland war ich auch noch nicht, obwohl ich russische Freunde habe. Das sind große weiße Flecken auf meiner Landkarte. Noch.