Dnepropetrowsk - drittgrößte Stadt der Ukraine

Die Stadt Dnepropetrowsk liegt 250 Kilometer entfernt von der Grenze zu den Gebieten der Ostukraine, die von prorussischen Separatisten gelenkt werden. 3,5 Millionen Menschen leben in der Region um die drittgrößte Stadt der Ukraine.

Die Metropole ist Finanz- und Industriestandort. Unternehmen im Bereich Bergbau, Metallurgie und Maschinenbau sind in Dnepropetrowsk angesiedelt. Zudem gilt die Stadt als Zentrum der Rüstungsindustrie. (ba)

Magdeburg l Seit die Aufträge aus Russland weggebrochen sind, steckt die ukrainische Industrie in einer tiefen Krise. Der größte Arbeitgeber in Dnepropetrowsk ist der staatliche Raketenbauer Juschmasch. Wegen des russischen Importstopps, produziert der Konzern nur noch ein Viertel dessen, was er 2011 herstellte. Entlassungen drohen. 6000 Arbeiter stehen vor dem Nichts.

"Viele Unternehmen können ihre Produkte nicht mehr exportieren", erklärt der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dnepropetrowsk, Vitaly Zhmurenko, am Mittwoch bei seinem Besuch in Magdeburg. Betriebe versuchen sich auf neue Märkte einzustellen. "Das ist schwer", sagt Zhmurenko, "denn in vielen Bereichen entsprechen unsere Produkte nicht den europäischen Standards." Der 65-Jährige weilt mit seiner Delegation aus der Ukraine derzeit in Magdeburg. Eine Kooperation mit der IHK besteht seit fünf Jahren. In Zeiten der Krise rücken beide Kammern zusammen.

Vielen Beschäftigten drohe in Dnepropetrowsk die Arbeitslosigkeit, so Zhmurenko. Zudem hätten viele Menschen aus den umkämpften Gebieten im Osten des Landes Zuflucht in der Stadt gesucht. In Dnepropetrowsk gebe es derzeit ein Überangebot an gut ausgebildeten Arbeitnehmern, sagt Magdeburgs IHK-Präsident Klaus Olbricht. Davon sollen die hiesigen Unternehmen profitieren. "Wir brauchen Fachkräfte", so Olbricht. Die Vision: Menschen, die in der Ukraine keinen Job mehr haben, sollen für Unternehmen in Sachsen-Anhalt arbeiten. Zudem sollen ukrainische Praktikanten Einblick in die Firmen erhalten. "Wenn diese Menschen eines Tages in ihr Heimatland zurückkehren, hilft das auch der Ukraine", erklärt Olbricht.

Von der Zusammenarbeit könnten langfristig auch Betriebe in Sachsen-Anhalt profitieren. Durch die Kontakte sollen den Firmen neue Möglichkeiten zum Export geschaffen werden. Die Ausfuhren in das krisengeplagte Land sind in den ersten beiden Monaten 2015 weiter eingebrochen. Im Januar und Februar führten Unternehmen aus Sachsen-Anhalt Waren und Dienstleistungen im Wert von fast acht Millionen Euro aus. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ein Minus von fast 50 Prozent. Auf die aktuelle Konjunkturlage hat dieser Exporteinbruch keinen Einfluss. Der Konjunkturklimaindex legte laut einer IHK-Umfrage erstmals seit vier Jahren wieder zu.

 

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