Was sind schon "Parker Punte" oder der Gault-Millau? Wer zum Beispiel bei "Geile Weine" einkauft, erlebt nichts mehr von der klassischen Wein-Werbung, von Winzern, die verträumt Trauben gegen die Sonne halten oder zärtlich ein dickes Fass streicheln.

Stattdessen gibt es etwa "Dreck und Speck" - ein Weißwein, der vor der Gärung nicht vorgeklärt wurde. Oder der "Blutsbruder" vom Weingut Karl May aus Rheinhessen, das mit dem Tropfen an die Indianer-Schmöker des gleichnamigen Schriftstellers erinnert. Rockstar der Branche ist der "Pornfelder" - eine Komposition aus Portugieser (Por-) und Dornfelder (-nfelder).

Der traditionsbewusste Weintrinker fragt an dieser Stelle: Muss das sein? Muss, meinen die jungen wilden Winzer. Ihre Zielgruppe sind Kunden zwischen 20 und 45 Jahren. Und da soll es schriller und spritziger sein. Sprüche wie "If you are racist, a terrorist, or just an asshole, don`t drink my Sauvignon Blanc" ("Wenn Sie rassistisch, ein Terrorist, oder einfach nur ein Arschloch sind, trinken Sie nicht meinen Sauvignon Blanc", auf der Flasche polarisieren sogar bewusst.

Ob das Frische und Freche auch weiterhilft, wenn Mann seiner angebetenen Susi einen Roten entkorkt, der auf dem Etikett zum Schriftzug "Wilde Susi" einen Wildschweinkopf zeigt? Das ist jedenfalls ein Beziehungstest schon vor dem ersten Schluck.