Die Jubiläumsfeier

Freitag, 15. Mai, 19.30 Uhr
Konzert "Barockposaunen und Orgel treffen auf die Moderne". Mit Universitätsorganist Daniel Beilschmidt und dem Ensemble percussion posaune leipzig

Sonnabend, 16. Mai, 10 Uhr
Festakt in der Kirche mit Festvortrag "Tausend Jahre St. Sebastian" von Peter Zülecke, Präsentation der 46-seitigen Festschrift und Imbiss im Saal der Kathedralpfarrei

Sonntag, 17. Mai, 10 Uhr
Pontifikalgottesdienst mit Bischof Bischof Gerhard Feige

Eine Ausstellung zur Geschichte ist vom Sonntag an für vier Wochen in der Kirche zu sehen. Gezeigt werden auch einige Original-Urkunden sowie Bischofsstab und Mitra von Wilhelm Weskamm, ab 1949 der erste in Magdeburg residierende Weihbischof.

Magdeburg l Diese soliden Mauern stehen und stehen. Zehnmal hundert Jahre prägt die Kirche St. Sebastian bereits das Magdeburger Stadtbild - und sie hat auch Zeiten überstanden, in denen alles drunter und drüber ging. Etwa unter Napoleon: 1806 erobern seine Soldaten Magdeburg, plündern und zerstören. St. Sebastian wird zum Feldlager, Schmiede verrichten ihr rußiges Handwerk zwischen den hohen gotischen Säulen, Armeegäule werden untergestellt.

Es ist der absolute Tiefpunkt einer Geschichte, die im Jahr 1015 begonnen hatte. Damals gründete Erzbischof Gero ein Kollegiatstift mit dem Doppelpatronat Johannes Baptist und St. Sebastian. Bis zu zwei Dutzend Kanoniker versammelten sich zum gemeinsamen Gebet. Offenbar brachten sie einiges Geld mit: Die erste Stiftskirche war reich ausgestattet, sie galt als die vornehmste nach dem Dom.

300 Jahre nach der Reformation wieder katholisches Leben


Über Jahrhunderte bleibt St. Sebastian eine Kirche ohne Pfarrgemeinde. Das Kollegiatstift dient der Versorgung von Adligen, auch nach der Reformation. 1573 hält Domprediger Siegfried Sack dort die erste evangelische Predigt. Die Stiftsherren schließen sich der neuen Lehre an - wohl auch, um nicht ihre Einkünfte zu verlieren. Grundstock des Vermögens waren die Dörfer Gutenswegen und Bisdorf.

"Das katholische Leben ist nach der Reformation innerhalb der Stadtmauern völlig erloschen", sagt Reinhold Pfafferodt, der heutige Dompropst. Erst Jahrhunderte später sammeln sich durch Zuzüge wieder katholische Christen, die in provisorischen Heimstätten unterkommen, unter anderem im Kloster Unser Lieben Frauen. Als die Stadt Magdeburg dieses Gelände braucht, bietet sie den Katholiken die als Lagerhalle genutzte Sebastianskirche an. Eine Summe zur Sanierung legt sie obendrauf. 1873 ist der Tausch perfekt.

Nach 300 Jahren kehrt so katholisches Leben in die alten Mauern zurück. Und erneut übernimmt St. Sebastian eine herausgehobene Rolle: Der Pfarrer der Gemeinde trägt das 1859 vom Paderborner Erzbischof gestiftete Propstkreuz um den Hals, ein weiß-goldenes Emaillestück mit goldener Madonna auf blauem Grund. Es zeigt an, dass St. Sebastian im Ostteil des damaligen Erzbistums Paderborn das wichtigste katholische Gotteshaus ist.

Propstkreuz aus 1970er Jahre verschwunden


Wie durch ein Wunder übersteht dieses die Zerstörung der Magdeburger Altstadt im Januar 1945. Vier Jahre später schickt der Papst mit Wilhelm Weskamm einen Weihbischof nach Magdeburg, St. Sebastian steigt zur Bischofskirche auf. 1994, mit der Trennung von Paderborn und Gründung des Bistums Magdeburg, folgt die Erhebung zur Kathedrale.

Einige Zeugen der Vergangenheit werden von Sonntag an in einer Ausstellung zu sehen sein. Im Erdgeschoss des Turmes stehen die Vitrinen bereit, in den nächsten Tagen werden sie gefüllt. Das Propstkreuz von 1859 wird gezeigt, ebenso Weskamms Mitra und Krummstab, die in Berlin aufbewahrt werden.

Rätselhafterweise verschwunden ist ein Propstkreuz aus den 1970er Jahren. "Wir haben im Tresor und im Archiv gesucht, konnten es aber nirgends finden", bedauert Dompropst Pfafferodt. Für die Ausstellung ist die Propstei Halle eingesprungen und hat ihr eigenes, fast baugleiches Exemplar geschickt.

Die Kirche selbst birgt noch größere Rätsel. Verschwunden ist nämlich auch das Grab ihres Gründers, Erzbischof Gero. Noch im 18. Jahrhundert war es an der Nordwand des Chores zu finden, berichtet Peter Zülecke in seiner zum Jubiläum erscheinenden Festschrift. Dann fiel es einer Sanierung zum Opfer. "Man hat Gero wohl nicht so geschätzt, weil er nie heiliggesprochen wurde", vermutet Dompropst Pfafferodt.

Ob in St. Sebastian jemals wieder ein Bischof bestattet wird, ist noch offen. Vorbereitet ist alles: Seit 30 Jahren steht unter dem Turm eine Gruft bereit.

 

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