Berlin (dpa) - Der nächste Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn beginnt schon an diesem Dienstagnachmittag ab 15 Uhr im Güterverkehr. Die Personenzüge sollen von Mittwochmorgen ab 2:00 Uhr morgens an bestreikt werden, teilte die Gewerkschaft GDL in Frankfurt auf einer Pressekonferenz mit. Ein Streikende hat die GDL nicht migetteilt. Damit sind diesmal alle betroffen, die über die Feiertage an Pfingsten Verwandte und Freunde mit der Bahn besuchen wollen.

Ein unbefristeter Streik als letzte Eskalationsstufe sei aktuell aber noch nicht vorgesehen, sagte GdL-Chef Claus Weselsky. 48 Stunden vorher will die Gewerkschaft ein Streikende bekanntgeben. Weselsky kündigte an, dass der nächste Ausstand defintiv länger dauern werde, als der vorangegangene.

Erst am 10. Mai war ein fast sechstägiger Ausstand im Personenverkehr zu Ende gegangen. Es war der bisher längste Streik in der 21-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG. Es ist die neunte Arbeitsniederlegung im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn seit Anfang September.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber verlangte einen Streikverzicht. Nur eine Schlichtung über alle strittigen Fragen könne jetzt noch weiterhelfen. "Das ist das einzig Vernünftige", sagte er.

Der Versuch einer Annäherung beider Seiten war am Wochenende gescheitert. Vertrauliche Gespräche wurden am Samstagabend beendet und nicht wie geplant am Sonntag fortgesetzt. Die Tarifparteien wiesen sich dafür gegenseitig die Schuld zu.

Die Verantwortung trage die Bahn, die in den Gesprächen bewiesen habe, dass in den Verhandlungen keinerlei Ergebnisse erzielt werden sollten, erklärte die GDL. Vielmehr solle der Tarifabschluss bis zum Inkrafttreten des Tarifeinheitsgesetzes verschleppt werden.

Das wird voraussichtlich Anfang Juli geschehen. Dem Gesetzentwurf zufolge soll künftig in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag der jeweils größeren Gewerkschaft gelten. Streiks einer kleineren Gewerkschaft wie der GDL für einen eigenen Abschluss wären dann möglicherweise nicht verhältnismäßig und illegal. Weber sagte, die GDL sei ein wichtiger Partner, "daran wird auch ein Gesetz nichts ändern".

Ein Hauptstreitpunkt war zuletzt ein eigenständiges GDL-Tarifwerk für die rund 3000 Lokrangierführer bei der Bahn. Das Unternehmen habe am Wochenende angeboten, diese Berufsgruppe tariflich wie Lokführer einzugruppieren, sagte der Bahnmanager. Die Lokrangierführer würden somit bei Abschluss des Vertrages "sofort und unmittelbar wie Bereitstellungslokführer und Streckenlokomotivführer bezahlt", sagte Weber. Die Kernforderung der GDL sei damit erfüllt worden. Die GDL habe auch von einer "intelligenten, juristisch machbaren Lösung gesprochen", den Vorschlag aber dennoch abgelehnt.

Die Bahn will unterschiedliche Tarifverträge für ein und dieselbe Berufsgruppe vermeiden. Die GDL strebt zunächst eine Einigung über die künftige Tarifstruktur an und will erst danach in einer Schlichtung über Geld, Arbeitszeit und Überstundenbegrenzung sprechen.

Vor der Streikankündigung hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die GDL aufgerufen, einem Schlichtungsverfahren zuzustimmen. "Mir fehlt das Verständnis dafür, wenn man sich nach monatelanger Tarifauseinandersetzung einer Schlichtung verweigert", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Verantwortungsvolle Tarifpartnerschaft verpflichtet auch zur Suche

Unabhängig vom Streit mit der GDL will die Bahn "versuchen, am Donnerstag mit der EVG zu einem Abschluss zu kommen", wie Weber sagte. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dringt auf einen Tarifabschluss für ihre rund 100 000 Mitglieder bei der Bahn an diesem Tag. Für den Fall einer Nichteinigung hat sie ebenfalls mit Streik gedroht. Sie fordert sechs Prozent Einkommenszuwachs, mindestens jedoch 150 Euro pro Monat.