München l Natürlich wissen sie in Bayern, dass die Welt keine Scheibe ist. Sie ist vielmehr ziemlich rund und daher gut drehbar. Immer in jene Richtung, die den Interessen des Freistaates am besten dient.

Deshalb hat sich die Landesregierung nochmals über die Landkarte mit dem Trassenverlauf der geplanten SuedLink-Stromtrasse gebeugt. Die soll nach der Abschaltung der Atomkraftwerke ab 2022 für Energiesatz durch Windstrom sorgen. Nach bisherigen Planungen führt die wuchtige Leitung bis ins bayerische Grafenrheinfeld nahe Schweinfurt. Was in Unterfranken einigen Aufruhr auslöste. Landesvater Horst Seehofer und seine CSU-Mannschaft haben verstanden - und alles versucht, den Leistungsbau von bayerischem Boden gefälligst fernzuhalten.

Das ist bisher misslungen. Nun jedoch ist die Staatsregierung mit einem geografischen Geniestreich vorgeprescht: SuedLink wird einfach ein Stück nach Westen verschoben! Schwupps, und schon hätten Hessen und Baden-Württemberger die Trasse vor der Nase, Unterfranken bliebe mastenfrei. Der Vorstoß, mit dem die Landeskinder beglückt werden sollen, hat bei den Nachbarn zu reichlich Wutgeheul geführt. Von Wahnwitz und Unverschämtheit ist jenseits der bayerischen Grenzen die Rede. Schließlich gilt es auch dort, das Wahlvolk zu beglücken und nicht mit monströsen Masten vor den Kopf zu stoßen.

Horst Seehofer ficht das nicht an. Er säuselt am Montag München etwas von "einer vernünftigen Energiepolitik". Um den veränderten SuedLink-Verlauf nach Baden-Württemberg dann geografisch zu begründen: "Der kann nur durch Hessen gehen. Wo soll er denn sonst durchgehen?"

Da dürfen wir uns schon auf die anstehende Standortsuche für atomare Endlager freuen. Bayern ist da auch im Gespräch. Wenn es tatsächlich ernst werden sollte, dreht Seehofer wieder ein bisschen am Globus.

Ein Platz für den Atommüll findet sich garantiert, ob in Niedersachsen, in Kasachstan oder auf dem Mond. Nur nicht in Bayern!

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