Der Künstler und seine Panoramen

Der Künstler realisiert seit 2003 die weltgrößten 360-Grad-Panoramen. Sie waren bis zu 32 Meter hoch und hatten einen Umfang von bis zu 110 Metern. Neben Leipzig, Dresden und Berlin sind die Werke seit Ende 2014 auch in Pforzheim und Rouen in der Normandie zu sehen.

Zu seinen Panoramen gehören unter anderem "Leipzig 1813" als Erinnerung an die Wirren der Völkerschlacht, "Die Mauer" am Checkpoint Charlie Berlin zum geteilten Berlin, "Amazonien", "Dresden 1945", "Rom 32" mit Einzug Kaiser Konstantins in die Stadt, "Everest" als Erlebnis zwischen Expedition und Tradition und das Panorama des antiken "Pergamon".

Ab 6. Juni zeigt er im Panometer der sächsischen Landeshauptstadt "Dresden im Barock" in einer Überarbeitung eines 2012 gezeigten Panoramas. Es präsentiert die barocke Glanzzeit der sächsischen Metropole. Ab 3. Oktober 2015 lässt Asisi im Panometer Leipzig den Betrachter an der einzigartigen Unterwasserwelt des Great Barrier Reefs teilhaben.

Der Begriff Panometer ist ein Wortspiel aus Panorama und Gasometer.

Yadegar Asisi kam 1955 in Wien zur Welt. Er wuchs in Halle und Leipzig auf. In Leipzig ging er zur Schule, in Dresden studierte er Architektur, später in Berlin Malerei. Er war Meisterschüler von Klaus Fußmann und hatte von 1996 bis 2008 eine Professur für Freie Darstellung/Entwurf im Fachbereich Architektur an der TFH Berlin. Asisi lebt und arbeitet in Berlin.

Wittenberg l 15 Meter hoch und 75 Meter breit soll es werden, das Panoramabild zu Martin Luther und der Reformation. "Ab heute legen 25 Leute los", kündigte Yadegar Asisi am Donnerstag in Wittenberg an. "Der Aufwand ist enorm. Er kommt einer Filmproduktion gleich", sagte der 60-Jährige. Er steht auf dem geschichtsträchtigen Schlossplatz vor der eingerüsteten Schlosskirche. Einen Blick vom hohen Turm auf das Geschehen solle es nicht geben. "Wir werden mitten in der Stadt sein, im mittelalterlichen Leben."

Was ganz genau den Panorama-Bild-Betrachter erwarten wird beim Blick auf Wittenberg zur Zeit Martin Luthers und seines Thesenanschlags - Asisi gab vor der Journalistenrunde zu, er wisse es noch nicht genau. Die Person Luther könne er sich aber mehrfach vorstellen.

Rotunde-Neubau für Asisi


Wiederfinden würden sich Repräsentanten der Kirche, der Kurfürst, das Volk, auch große Themen wie die Hexenverbrennung will er aufgreifen. Wie viele Menschen insgesamt im Rund zu sehen sein werden, er könne es nicht sagen. "Ich werde eine Verdichtung der Zeit zeigen und Geschichte einfach und emotional darstellen", so der Panorama-Künstler.

Ein Gasometer, Asisis bevorzugter Kunstraum, gibt es in Wittenberg nicht. In der Lutherstadt wird für seine Arbeit eine Rotunde errichtet. Wie der zukünftige Oberbürgermeister Torsten Zugehör sagte, werde der Neubau am Standort des Kultur- und Tagungscentrums (KTC) in der Innenstadt entstehen. Das KTC werde abgerissen, so der Stadtchef. Entsprechende Beschlüsse seien bereits gefasst worden. Zum Kostenetat gaben weder Zugehör noch Asisi Auskunft. Es solle aber nicht nur im Jubiläumsjahr, sondern auch darüber hinaus präsentiert werden.

Seit 2003 setzt Yadegar Asisi auf die Welt der Panoramen. Aus unzähligen Zeichnungen, Skizzen, Fotografien und Malereiarbeiten komponiert er sein Gesamtwerk. Aus Fotoshootings mit Laiendarstellern und Komparsen entstehen Szenenbilder, die in das Grundgerüst des Panoramas eingearbeitet werden. Am Computer setzt er alles zusammen für den finalen Druck der Stoffbahnen.

Begegnung zwischen Kunst und Religion


"Wenn Sie die Arbeit gesehen haben, sagen Sie nicht, Sie standen vor einem Bild. Ich werde Sie auf den Schlossplatz mitnehmen, in eine andere Zeit. Sie werden sich nicht an eine Statik erinnern", so der leidenschaftliche Panoramist. Mehrere Millionen Besucher konnte er mit seiner Kunst in den vergangenen Jahren bereits begeistern.

Theologin Margot Käßmann, Schirmherrin des Projektes, sprach von einer großen Bereicherung und perfekten Ergänzung zur geplanten Weltausstellung Reformation (20. Mai bis 10. September 2017). Voraussichtlich Ende des kommenden Jahres soll das Panoramabild fertiggestellt sein. Käßmann: "Ich freue mich auf spannende Begegnungen zwischen Kunst und Religion, Geschichte und Gegenwart." Asisi nickte zustimmend. Doch zuvor haben er und sein Team jede Menge Arbeit. Der 60-Jährige nannte das Projekt einen "Gewaltakt, eine große Herausforderung".