Berlin l Menschlich mag es wie Hohn klingen: Aber manchmal ist es schön, dass die Toilettenfrau am öffentlichen Klo der Vergangenheit angehört. Muss man sich doch nicht mehr des missbilligenden Blicks erwehren ob der Geräusch- und Geruchskulisse, die ihr hinterlassen wurde. Oder der unausgesprochenen Frage: Hat die jetzt wenigstens die Klobürste benutzt?

Wie angenehm ist die Anonymität, die der münzgesteuerte Toiletteneingangskontrollautomat - oder wie dieses kleine Drehkreuz in kloischer Fachsprache korrekt heißen möge - gebracht hat. Doch die WC-Anonymität ist in Gefahr. Schuld ist das Bargeld. Genauer gesagt: Es sind die Menschen, die es abschaffen wollen. Immer noch und schon wieder. Weil Bargeld bei illegalen Aktivitäten beliebt sei und die Menschen wegen mieser Geldpolitik Münzen und Scheinchen lieber in den Sparstrumpf unterm Kissen stopfen.

Nicht falsch verstehen: Es wäre schön, wenn nicht dauernd in ein neues Portmonee investiert werden muss, nur weil der gefühlt kiloschwere Bargeldschatz mal wieder die Nähte sprengt. Aber ohne Bargeld aufs öffentliche Klo? Gibt\'s dann demnächst eine Studie von Banken- und Kreditkarteninstituten, wie oft wir Deutschen auf\'s öffentliche Örtchen gehen? Und wie lange wir da sitzen? Kommt gar die ÖrtchenSteuer, weil Finanzbehörden feststellen, dass sich das Geschäft mit dem Geschäft lohnt?

Und überhaupt, wo soll das hinführen? Zur Abschaffung der Münzfernrohre im Park? Oder werden die auf Kreditkarte umgestellt? Wie würde wohl der Satz "Haste mal \'nen Euro?" auf das Plastikgeld umgemünzt, Entschuldigung, umgekartet lauten? Fakt ist: Uns würde etwas fehlen. Nur der Glückspfennig würde profitieren. Denn er wäre eine Rarität.