Potsdam/Berlin - Der Gründer der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, will im Flügelstreit mit rechtsnationalen Kräften weiter für seine liberalkonservativen und euroskeptischen Positionen kämpfen.

"Ich würde nicht in eine Partei eintreten, die sich vorrangig oder ausschließlich mit Themen wie Zuwanderung und Asyl und Islam und Migration befasst", sagte Lucke am Freitagabend vor einem Gespräch mit der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag. Damit stellte er sich deutlich gegen seinen Gastgeber, Brandenburgs Landeschef Alexander Gauland, der mit seiner Fraktion im Landtag eine Politik gegen den Bau von Asylbewerberheimen und Zuwanderung vertritt.

Lucke ist im Vorstand seiner Partei zunehmend isoliert. Der AfD-Bundesvorstand hatte am Freitag in Berlin mehrheitlich die Gründung des von Lucke initiierten Vereins "Weckruf 2015" missbilligt.

Gauland bemühte sich, die Wogen zu glätten. Luckes "Weckruf 2015", der gegen den rechtsnationalen Flügel der Partei gerichtet ist, sehe er zwar sehr kritisch, sagte Gauland. "Aber wir haben sachliche Differenzen und die muss man anständig und vernünftig austragen." Bei der Frage nach Luckes Parteivorsitz blieb Gauland allerdings deutlich distanziert. "Er ist der gewählte Parteivorsitzende bis zum Parteitag", sagte er.

Die Co-Vorsitzende Frauke Petry hatte zuvor erklärt, sie wolle nach der Gründung des Vereins "Weckruf 2015" nicht mehr mit Lucke zusammenarbeiten. Lucke will auf dem Parteitag im Juni auf jeden Fall wieder zu Wahl des Parteivorsitzenden antreten und hält eine Mehrheit für sich für möglich. "Ich glaube ja, aber das wird der Parteitag im Juni unter Beweis stellen", sagte er.

Neben Petry will auch der dritte Co-Vorsitzende Konrad Adam wieder für den Vorstand antreten. "Natürlich mache ich mit. Die AfD war auch mein Kind", sagte der Publizist dem Radiosender MDR-Info in Halle. "Kindern gegenüber muss man großzügig sein und man darf sie vor allen Dingen dann nicht im Stich lassen, wenn sie gewisse Unarten zeigen." Auch der Vorsitzende der AfD-Fraktion in Thüringen, Björn Höcke, hatte dem MDR gesagt, er könne sich vorstellen, für den Bundesvorstand zu kandidieren. Lucke, Petry und Adam sind derzeit gleichberechtigte Vorsitzende. Künftig soll es aber nur noch einen Parteichef geben. Das will vor allem Luckes Gegenspielerin Petry nicht. Die Co-Vorsitzende wirbt für eine Doppelspitze.