Halberstadt l Ein gutes Dutzend junger Erwerbsloser beteiligte sich an einer der ungewöhnlichsten Jobcenter-Maßnahmen Deutschlands: Sie mussten Theater spielen. Herausgekommen ist eines der berührendsten Beispiele dafür, wie nahe Theater im besten Fall gehen kann, und zwar Spielern und Zuschauern gleichermaßen: Henrik Ibsens "Peer Gynt" auf dem Gelände des Halberstädter Burchardiklosters traf mit voller Wucht ins Herz!

Im gelb-weißen Zirkuszelt spielen die ausnahmslos jungen "Maßnahme-Teilnehmer" buchstäblich um ihr Leben. Jeder Einzelne ist mit dem Projekt gewachsen, aus zweifelnden Arbeitsuchenden sind selbstbewusste Leute geworden, deren Bühnenpräsenz umwerfend ist. Diese Erfahrung, das ist ihnen beim donnernden Applaus anzusehen, werden sie mitnehmen in die Zukunft.

Regisseur Sebastian Schachtschneider hat ihnen mit dem ebenso verrätselten wie monumentalen Versepos "Peer Gynt" ein Stück vorgeschlagen, das nichts Geringeres als ihr Leben erzählt: Eine Suche nach Orientierung, die Geschichte vom Fortlaufen und Ankommen eines Aufschneiders und Fantasten, der sich in Tagträume flüchtet, hofft, zerstört, sich selbst im Weg steht. Schachtschneider setzt vor allem auf effektvolle chorische Auftritte wie den von Peers Mutter, für die sich neun Darstellern in eine überdimensionaler Kittelschürze zwängen.

"Ich selbst - kannst du das sagen?" wird Peer vom geheimnisvollen Krummen gefragt. Die Spieler wissen nach dieser Inszenierung darauf eine Antwort. Alle.

Weitere Aufführungen in einer Spezialversion mit Führung durchs Burchardikloster: 19. 6., 10. 7., 31. 7.; 19.30 Uhr.