Nächste Vorstellung: 29. Mai um 19.30 Uhr

Magdeburg l Männer unter sich könnte als weitere Schlagzeile herhalten. Denn nur männliche Mitglieder des Magdeburger Ballettensembles waren die Akteure. Die Gäste im Studio, mit dessen reizvollem, fast familiärem Ambiente, erlebten einen faszinierenden dreigeteilten Tanzabend. Die dem Magdeburger Ballett eigene Internationalität prägte auch die diesjährigen "Tanzbegegnungen".

Drei aktive Tänzer der Compagnie, der Kanadier Adam Reist, der Kubaner Raul Pita Caballero und der aus Russland stammende Andreas Loos, präsentierten drei ganz individuell geprägte Choreografien. Und - tanzten bei den beiden jeweils anderen Stücken auch selbst mit. Umfängliche Kreativität, durch sie gelungene wirkungsvolle Symbolträchtigkeit und tänzerischer Kontrastreichtum begeisterten das Publikum.

Choreografie des menschlichen Charakters

Global thematisch übergreifend wählten die drei jungen Choreografen jeweils Blicke ins Innere des Menschen, in seine Seele und Gefühlswelt, in die Beweggründe seines Handelns. Eine mit einer faszinierenden Bewegungsvielfalt von klassischen Elementen und freier, ungemein differenziert ausgereifter Ausdrucksweise eindringlich getanzte Emotionalität zieht das Publikum von Beginn an in den Bann.

Adam Reist gab seiner Choreografie den sehr weit deutbaren, zudem philosophisch anmutenden Titel "Ton:Flamme:Asche". Wenn man seiner Intention folgt, möchte er das enge Beziehungsgeflecht der verschiedenen Ebenen des menschlichen Charakters, das Wirken spiritueller Kräfte aufzeigen. Auch der unbedarfte Zuschauer erlebt die spannenden Konflikte zwischen den Menschen in der Gruppe, ihre fast brutalen Gegensätze wie auch ein liebevolles Miteinander.

Diese schwierigen Lebensprozesse, in denen sich alle Menschen mehr oder weniger befinden, hat Adam Reist unter anderem mit der rhythmusdominanten Musik vom Magdeburger Straßenmusiker Matthias Marggraf akustisch potenziert.

Skyline einer Weltmetropole

Nach der ersten Pause ein Kontrast: Ruhige Musik von Mozart, und sechs teils neckisch in Reifröcken, später in Rüschenhöschen bekleidete Figuren. Raul Pita Caballeros "Terbium" - nach jenem in der Natur "versteckten" und nur in Verbindung mit anderen Elementen vorkommenden Material - spürt symbolisch menschlichen Gefühlen nach, die sich ebenfalls oft hinter Fassaden verstecken.

Die sechs Tänzer agieren, sicher gewollt mit Augenzwinkern, "auf Spitze", waren Beobachter und Akteure zugleich, ließen Gefühlsentwicklungen und Situationen aufleben. Dann noch einmal ein totaler Stimmungswechsel: "Life Interaction" von Andreas Loos. Dazu erklingt Musik der französischen Formation "Daft Punk".

Videounterstützt wird die Skyline einer Weltmetropole eingeblendet. Vier Geschäftsleute mit verblüffender Realitätsnähe sind immer in Hektik, funktionieren wie ein Uhrwerk, mit exakten Bewegungen, unaufhaltsam ... Was darum herum geschieht, wird ausgeblendet. Andere, so man sie als Menschen wahrnimmt, stehen bestenfalls im Weg, werden weggedrückt.

Ausverkauftes Studio

Ein einsamer Mensch im Stück symbolisiert diese anderen. Mühsam ist der eindringlich getanzte Prozess, sich zu bemerken, sich miteinander zu beschäftigen, sich zu verstehen, dies zu können, zu wollen und mit viel Optimismus Freunde zu werden.

Bei der Umsetzung der kreativen Ideen standen den Choreografen und Tänzern Leif-Erik Heine (Bühne), Kathrin Willberg (Kostüme) und die Dramaturgen Ulrike Schröder und Thomas Schmidt-Ehrenberg hilfreich zur Seite. Neben dem "Stücke-Applaus" gab es am Ende des gut eineinhalbstündigen Tanzabends viel Beifall und Bravorufe im ausverkauften Studio.