Thale l Die kleine Hexe (Lisa Marie Liebler) hat ein Problem. Sie ist zu einer Walpurgisfete auf den Brocken gedüst. Die alte Hexenmeute verdonnert sie deshalb, ohne Besen den Blocksberg zu verlassen. Erst wenn sie sich im Laufe eines Jahres auf die Hexenprüfung vorbereitet und eine gute Nachwuchshexe wird, darf sie wieder antreten. Aber - wer ist eine gute Hexe?

Sie hat wirklich ein Riesenproblem, denn sie bewirkt mit ihrer Hexerei Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Tierliebe, menschliches Miteinander. Ganz anders als Muhme Rumpumpel (Julia Siebenschuh) - ein wahrer Drachen von alter Hexe. Sehr extravagant vom großen Zeh bis zum Kopf angezogen, aber ganz bösartig-witzig. Ein Hexspruch spielt sogar mit dem Namen Siebenschuh ...

"Richtig cooles Hexenhaus"

Diese Geschichte von Otfried Preußler in der Theaterfassung von Jürgen Popig ist für die grüne Bühne am Hexentanzplatz ein ideales Schmäckerchen. Zur Premiere kam der 1961 geborene Bühnenautor eigens aus Heidelberg angereist, wo er als leitender Schauspieldramaturg tätig ist. Seine "Kleine Hexe" ist poetisch-heiter, manchmal derb, erzählt theatral oder in gebundener Sprache. Eine Freude, dieser Sprache zu lauschen (Dramaturgie: Johanna Jäger).

Regisseurin Vogtenhuber und ihre langjährige Wiener Ausstatterin Bianca Fladerer sind ein Dreamteam. Mit Fantasie füllen sie die Bühne. "Richtig cooles Hexenhaus" und "Das ist aber hübsch da unten", befanden einige Kinder schon vor dem Abstieg zu ihren Plätzen. Sie merkten ganz intuitiv, dass da eine Bühnenbildnerin am Werke war, die die Naturbühne zum erlebbaren Kunstraum machte.

Mit einem traumhaft variablen, aufklappbaren großen Hexenhaus, mit farbig markierten Wegen, Wegweisern, gemalten Bäumen, einer Schaukel, mit Balduin Pfefferkorns Fahrrad-Krimskramsladen, mit viel Pyrotechnik einschließlich des fauchenden Besens, mit Hexenklo und allerlei Getier. Der Blocksberg zitiert eine historische Brockendarstellung in popartiger Farbigkeit. Verspielt und mit Sorgfalt im Detail auch die erzählenden Kostüme. Die Schneiderei, der Malsaal und die Werkstätten leisteten Großes.

Riesenvergnügen am Komischen

Vogtenhuber arbeitete sehr musikantisch-choreografisch. Ihre Akteure fliegen förmlich über die Szene. Nicht ganz ungefährlich. Im Entree kommt eine singende Säge zum Einsatz. Ein kleiner Verweis auf den Harzforst. Die jazzige Musik strukturiert das Stück, wobei der Schauspieler Gerold Ströher als Live-Musiker auf verschiedenen Saxofonen den Löwenanteil hat. Aber er ist auch als Oberhexe, Förster, Kutscher, Schützenkönig und Bürgermeister zu erleben. Treffliche Miniaturen allesamt. Schade nur, dass der Programmzettel weder den Komponisten noch die Musiker oder den Produzenten angibt.

Als sprechender Rabe Abraxas ist Sebastian Borucki ein schauspielerisches und tänzerisches Gewürzkorn. Mona Luana Schneider, Curdin Caviezel und Joachim Kielpinski sind kommentierende Rabauken, Hexen und Holzweiblein. Mal sprechen sie chorisch exakt, mal solistisch - aber immer mit Riesenvergnügen am Komischen. Das Hexenwalpurgis-Lied macht den jungen Zuschauern besonders viel Spaß - es ist so schön ordinär! "Hexen hexen, tanzen, klexen, Hexen wanzen, rülpsen, furzen, stinken ..."

Für Kinder solle man spielen wie für Erwachsene - nur besser. Eine alte Theaterweisheit. "Die kleine Hexe" des Schauspielensembles bestätigt sie! In diesem Jahr sind noch 16 Vorstellungen zu erleben.